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Ein Jahr vergeht wie ein Moment….

…. AND I THINK TO MYSELF WHAT A WONDERFUL WORLD

Nach 333 Tagen treten wir den Heimweg an. Wieder zu Hause, fühlen sich diese eher wie acht Wochen an. 333 Tage in denen wir unglaubliches in dieser wundervollen Welt mit ihren unfassbar dummen Menschen erleben durften. Mit „unfassbar dumm“ meine ich, dass wir Menschen es bisher immer noch nicht geschafft haben zu lernen, dass es friedliche Lösungen gibt. Dass der Fremde ein Freund ist, wie wir es so oft erlebt haben. Nein, wir Menschen brauchen die Anfeindung des Unbekannten, die Illusion in einer freien Welt zu Leben, den Krieg und die Schrecken, die er mit sich bringt.
Das Meiste unserer Reise ist für mich noch gar nicht fassbar. Schaue ich meine Fotos an, bin ich fasziniert von diesen Eindrücken, dann fällt mir ein, dass ich ja dort gewesen bin. Grundsätzlich kann ich sagen, oft war alles anders als erwartet. Hier der Versuch, es in Worte zu packen:

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Essen:
Eine von Olis Lieblingsbeschäftigungen, aber beim Karaoke ist selbst dies nebensächlich. Die asiatische Küche ist reich gedeckt, mal von der Mongolei abgesehen. Kulinarisch ganz oben stehen China, Vietnam und Indien. Als Vegetarier war das Essen nicht immer einfach, aber, wenn man ein bis zwei Augen zudrückt, geht es schon. Da halte ich es dann auch aus, dass das Essen mit chicken essence oder fishsauce gewürzt ist oder die Nudeln in der Suppe eben in Fleischbrühe schwimmen. Aber zum Glück ist damit jetzt wieder Schluss!
Und die Asiaten spinnen, überall kommt Zucker rein. Je weiter man nach Süden kommt, desto schlimmer. Sogar in frische Fruchtsäfte wird Zucker gekippt. Der Tee ist eigentlich Zuckerwasser, das den Teebeutel kurz gesehen hat. Im Essen ist Zucker, im Brot ist Zucker, alles ist so süß. Kein Wunder, dass die Inder im Diabetes-Ranking ganz vorne mit dabei sind.

Verhalten:
Grob gesagt, je weiter gen Süden man kommt, desto bedeckter kleiden sich die Leute. Grundsätzlich gilt für Frauen, Schultern und Knie sind zu bedecken. Gebadet wird im Sarong oder mit Klamotten. Nur in absoluten Touristengebieten kann man davon absehen. Männer sollten sich ordentlich kleiden. In manchen Regionen gelten lange Hosen als angemessen. Wobei insgesamt die Kleidungsvorschriften bei Frauen deutlich strenger sind als bei Männern.

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Körperkontakt zwischen Paaren ist nicht erwünscht, öffentliche Küsse sind tabu. Das höchste der Gefühle ist es, den Mann am Ellenbogen zu fassen, quasi als Händchen halten. Ausnahmen bilden die moderneren Metropolen. Dort sieht man hin und wieder junge Pärchen Händchen halten. Zwischen dem eigenen Geschlecht ist Körperkontakt erwünscht, vor allem die Männer kuscheln gerne aneinander, da wurde Oli auch nicht verschont. Asiaten sind eigentlich nie alleine und sie verstehen auch nicht, dass man mal seine Ruhe haben möchte. In der Gruppe fühlt man sich wohl und aufgehoben. Daher hat auch die Familie einen hohen Stellenwert, die Eltern sind bedingungslos respektiert. Die Kinder kümmern sich weitgehend liebevoll umeinader. Da nimmt dann auch mal der Dreijährige die Eineinhalbjährige an die Hand, um ohne Erwachsenenbegleitung an der Hauptstraße entlang zu laufen. Insgesamt wird Kindern sehr früh richtig viel Verantwortung für andere Kinder übertragen.
Die Länder, in denen wir waren, sind allesamt männerdominiert. Frauen wird in der Regel höflich begegnet. So steht Mann in der Metro oder im Bus auf, um einer Frau Platz zu machen.

Viel Leben findet auf dem Boden statt. Das heißt, dass beispielsweise das Essen auf dem Boden sitzend zu sich genommen wird. Oder auch, dass man in Werkstätten oder Läden keine Tische hat, sondern den Boden nutzt. In der Regel werden die Schuhe vor der Türe ausgezogen, das gilt auch in vielen Läden.

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Uns begegnet viel Toleranz, oft sichtbar darin, dass Religionen friedlich nebeneinander existieren können. Die Nepalesen sind Meister darin, die verschiedensten Einflüsse in ihre Kultur zu integrieren. Oft lässt sich in den Ländern eine Verbindung zum Spirituellen spüren und finden.
Patriotismus begegnet uns oft, der Stolz auf sein Land verbunden mit der Bereitschaft dafür zu kämpfen, irritiert und befremdet mich immer wieder. Andererseits besteht überhaupt kein Umweltbewusstsein. Müll wird achtlos überall hingeworfen wo man ist. Egal ob im Zug, auf dem Boden oder zum Fenster raus oder auf dem Boot über die Reeling. Produkte sind oft doppelt verpackt (Kekse in der Verpackung nochmal einzeln verpackt, Schokolade nochmal in extra Aluminumpapier). Da ist es noch ein langer Weg um der weltweiten Vermüllung entgegenwirken zu können. Aber wir haben es ja schließlich auch vor nicht all zu langer Zeit gelernt.

Oft fühlt es sich an, als ob wir unglaublich berühmt wären. Uns wird zugewunken, wir posieren auf tausenden von Fotos, so als ob wir beste Freunde wären. Einen Westler zu kennen oder gar mit ihm befreundet zu sein, gilt als Statussymbol. Schön, wenn es andersrum bei uns auch so wäre. Oft werden wir mit sister/brother, uncle/aunti angeredet. Zunächst gewöhnungsbedürftig. Allerdings geht es dabei in den meisten Ländern nicht um die Nähe einer Beziehung wie bei uns, sondern um die Respektsebene.

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Grundsätzlich sind die Menschen sehr gelassen, die Laoten sind hier die Könige der Ruhe und Gelassenheit. Da heißt es einfach, sich anpassen, was uns nicht sonderlich schwer fällt. Dennoch fällt es den meisten Asiaten an sich schwer sich irgendwo geordent anzustellen, die Knäuelbildung wird oft bevorzugt. In China wird das Ganze mit dem regen Einsatz der Ellenbogen unterstützt. Hin und wieder gibt es natürlich Ausnahmen. Zudem wird Musik überall sehr geschätzt. Oft gilt die Regel, Hauptsache laut. Hier bilden die Indonesier eine Ausnahme, sie machen laut Musik, aber können meistens richtig gut singen. Amüsant für mich ist zudem, dass alles, was mehr als 500 Meter weit weg ist, „too far!“ ist. Dieser Bewegungsfaulheit steht der Hang zur sportlichen Betätigung entgegen. Sei es beim Volleyball, Tanzen, work out an „Spielplätzen“, Fußball-Tennis oder Cricket. Wer keinen Sport macht, spielt (zumeist Männer) Karten, Majong, Würfel….

Das was wir unter Haus- und Nutztieren verstehen, läuft in der Regel frei durch die Gegend und der Verkehr versucht, weitgehend Rücksicht zunehmen. Die Hähne sind die mit Abstand dümmsten Tiere, die uns begegnen. Sie krähen nicht im Morgengrauen, um den Tag zu beginnen, sie krähen sobald sie ein Auge aufmachen. Da kann man Mordgelüste bekommen. Auch was bei uns als Zimmerpflanze gilt, wächst hier einfach im Wald.
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Auch sehr krass ist, dass es fast überall Wifi gibt. Es gibt zwar keinen Strom, aber Wifi auf 4.200 Metern. Extrem viele Menschen besitzen ein Handy oder Smartphone, der Trend geht zu zwei Geräten. Permanent befindet man sich online. Es ist völlig normal, sich nebenher, also auch im Gespräch, mit dem Handy zu beschäftigen. Auch hat der Kapitalismus überall Einzug gehalten. Bekannte Mode- und Fastfoodketten lassen sich überall finden und verdrängen die kleinen, angestammten Läden.

Zudem haben die Asiaten in den heißen Gegenden einen Vollschaden, was die Betreibung ihrer Klimaanlagen angeht. Man wird regelmäßig schockgefrostet, da kann man doch nur eine Erkältung bekommen. Vermutlich hilft das beim hellhäutig bleiben. Hier gilt nämlich helle Haut als schick, daher gibt es alle möglichen Produkte mit whitening effect. Daher sind die Asiaten ja auch so irritiert, dass wir braun werden wollen.

Verkehr/Verkehrsmittel:
Gefühlt wurde der Verkehr von Land zu Land verrückter. Aber nach Indien, war alles viel entspannter. Nur noch die thailändischen Tuktukfahrer konnten uns schrecken, da sie mit ihren klapprigen Kisten soo schnell unterwegs waren. Schnell heißt allerdings so an die 50 km/h. Ansonsten ist der asiatische Verkehr, vor allem in den Städten, eher gemächlich und es war für uns kein Problem, uns auch auf dem Roller in diesem zurecht zu finden.
Das Motorrad/der Roller ist das Haupttransportmittel. Auf diesem wird alles befördert, vom lebenden, ausgewachsenen Schwein über Glasscheiben, Kranke mit Infusion im Arm bis hin zur sechsköpfigen Familie. Was nicht auf das Moped passt, wird im Bus transportiert. Kinder fahren, sobald sie die Füße auf den Boden bringen.

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Jedes Verkehrsmittel, das wir nutzen, hat seine Besonderheit, vor allem im Bezug auf die Geschwindigkeit. Flugzeug = extrem schnell irgendwo ankommen. Zumindest der Körper, ob der Kopf im selben Tempo mitkommt, ist fraglich. Alle anderen Reisearten sind meiner Ansicht nach zu bevorzugen, wenn man ein Land und vor allem die Menschen dort kennen lernen will. Wie kann man das besser als in überfüllten Zügen oder Bussen? Die langsamste Art des Reisens ist natürlich zu Fuß, was je nach Landschaft auf alle Fälle nicht zu verachten ist, genau wie die Bootsvariante.

Mitreisende/Touristen:
Der Traveller an sich wirkt in der Regel wie ein Elefant im Porzellanladen. Die wenigsten beschäftigen sich mit der Kultur, dem Land in dem sie sich bewegen. Uns begegnen viele respektlose oder naive? Reisende, die mittags mit der Pulle Bier in der Hand durch die Straßen eiern (Einheimische trinken nur in privaten Räumen oder in Restaurants/Kneipen), die nicht wissen, wie man sich in den meisten asiatischen Ländern kleidet und dabei spielt das Alter oder die Bildung überhaupt keine Rolle. Man kann sich auch unmöglich anziehen, wenn man gerade ein Auslandssemester auf Bali macht und Kultur zum Schwerpunkt hat. Zu sehen gibt es viele schulterfreie Shirts, Shirts die den Blick auf BH und Bauch frei geben oder oben ohne am Strand in Indien („warum werde ich nur so begafft???“). Zudem sehen Hotpants einfach an den wenigsten Frauen gut aus. Aber auch die männlichen Reisenden haben nicht den besten Kleidungsstil. Zerrissene, dreckige Klamotten kommen einfach nicht gut an.

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Besonders ätzend ist die Gattung „ich war schon überall, weiß wie alles läuft und hab an allem was rumzumeckern“ oder „da ist es genau so und nicht anders – nee, kann ich mir nicht vorstellen, dass es euch dort gefallen hat“ oder „Ja, das hab ich auch schon abgehakt.“ (V.a. Kurzzeitreisende in Südostasien). Warum reisen diese Menschen??? Um viel auf Facebook zu posten?
Eine besondere Erwähnung haben sich die Franzosen verdient. Egal wo, in der Regel wird man mit Bonjour gegrüßt und als erstes gefragt: „Parlez-vous francais?“. Sagt man dann auf Englisch „ja, ein wenig“, sprechen sie zum Teil für Franzosen ein richtig gutes englisch.

Statistik:
333 Tage unterwegs
148 unterschiedliche Schlafplätze
24 Schiffe
2 Boote mit eigener Muskelkraft betrieben, ingesamt ca. 200km
55 Busse
17 Minibusse/Auto
30 Züge
8 Fahrräder, davon 2 Ebikes
2 Pferde
2 Kamele
2 Dromedare
2 Elefanten
13 Roller
leider wurden es dann doch 10 Flugzeuge
Zu Fuß in den Bergen ca. 100 km und unzählige in den Städten
Ungezählte Tuktuks, Taxis, Metros (Großstädte funkionieren alle gleich), Rikshas, Ojeks und andere Fortbewegungsmittel

Leider hat sich die Datei gelöscht, in der Oli unsere Reisekilometer aufgeschrieben hat. Daher als Schätzung ca. 74 397 km
An die 30 000 Euro Ausgaben
Gefühlt hunderte Unesco Weltkulturerbestätten
Am Ende drei volle Reisetaschen und zwei volle Rucksäcke (Souvenirs sind super!)

Dreimal Magen/Darm
Dreimal Darm
Zweimal Grippe
Einmal Mittelohrentzündung
Möglicherweise ein bis zweimal Amöben
Dreimal Gehörgangsentzündung
Einmal eingedellte Trommelfelle
Einmal Aduktoren
Fünfmal Erkältung
Dreimal Karaoke
Viermal Besuch
21 Massagen
34796 Aufrufe unseres Blogs von 5116 Besuchern aus 25 Ländern

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Soziales:
Die Sozialsysteme in den besuchten Länder sind sehr unterschiedlich. Generell leben wir im Versorgungsparadis. Angefangen vom Kindergeld über Hartz IV bis hin zu 30 Tage Urlaub plus 14 Feiertage, die fünf Tage Woche nicht zu vergessen. Die meisten Asiaten arbeiten sechs oder sieben Tage und haben neben den Feiertagen (oft nicht mehr als 10), zehn Tage Urlaub. Wer ein Kind bekommt, bekommt keine Leistungen, wer krank ist, muss selbst zahlen, wer dies nicht kann wird nicht behandelt. Wer behindert ist und keine gut verdienende Familie hat, die sich einen Rollstuhl leisten kann, kriecht, zumindest in Indien, auf dem Boden. Armut begegnet uns in allen Ländern. In Gebieten, in denen es Touristen gibt, besonders heftig. In Nepal gibt es eine groß angelgte Kampane, die verkündet, dass es egoistisch ist, Kindern auf der Straße Geld oder Essen zu geben. Dies hält die Kinder nur auf der Straße, sie gehen nicht in die Schule, Hilfsorganisationen kommen nicht an sie ran, sie bleiben im Dreck und der Kriminalität der Straße, auch wenn sie erwachsen werden. Apropos Nepal: dem Land geht es nach den immernoch andauernden Erdbeben und der nun eingesetzten Regenzeit extrem schlecht. Wer noch nicht gespendet hat, kann dies bei www.waisenkind.de immer noch tun.
Im krassen Gegensatz zu der Armut die uns in Städten und auf dem Land begegenen stehen die Deutschen. Wir werfen 313 kg Lebensmittel in der Sekunde weg.

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Überall ist uns eine unglaubliche Offenheit und Freundlichkeit begegnet. Egal ob in Sibirien, in Großstädten oder irgendwo auf dem Land, wo wir planlos durch Felder geeiert sind. Da habe ich mir immer gerne vorgestellt, wie es wohl wäre, wenn ein paar Chinesen oder Inder uff dr Alb durch em Bäuerle seim Acker glaufe wäred odr ind Fabrik nei gschneid wäred. Ob ihnen dort auch freundlich der Weg gezeigt worden wäre oder sie eine Fabrikführung bekommen hätten, wage ich zu bezweifeln.

Alles in allem kann ich sagen: Reisen lohnt sich, zumindest, wenn man offen ist für andere Kulturen und sich Zeit nimmt, diese kennenzulernen. Deutlich wurde dies vor allem durch unsere Kurztrips durch Kambodscha, Thailand und Malaysia. Über diese Länder kann ich nichts sagen, da wir viel zu kurz und nur an Touristenorten waren. Meist finden wir Touristen eh alles hübsch und faszinierend, was die Menschen oft als harten Alltag und Kampf ums Überleben kennen.

„Es ist ganz nett umherzureisen, zu beobachten, folklorische und kuriose Dinge zu sehen und neue Erfahrungen zu sammeln. Aber vielleicht wäre es auch ganz interessant zurückzudenken. Wenn man sich erinnern will, darf man eines nicht vergessen: Man muss irgendeinen Ort aufsuchen, an dem man sich erinnern kann. Es kommt darauf an, die Reise irgendwann zu beenden.
Warum geht man fort? Damit man zurückkehren kann, um den Ort, den man verlassen hat, mit neuen Augen und zusätzlichen Farben zu sehen. Und auch die Menschen dort sehen einen anders. Dorthin zurückzukehren, wo man begonnen hat, ist nicht das Gleiche, wie niemals zu gehen.“(Terry Pratchett)

Wir Danken Dir, dass du uns nun ein Jahr, zumindest in Gedanken begleitet hast und freuen uns Dich bald wieder zu sehen (sofern wir uns schon kennen;)) Was ab jetzt in unserem Leben passiert gibt es wieder nur direkt von uns.
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Ich sitz auf einer Parkbank, fühl mich fast wie ein Tourist

Und was entdeckt so ein Tourist, wenn er durch eine schwäbisch-hällische Kleinstadt bummelt?
Hier gibt es doch tatsächlich extra Plätze für Kinder zum Spielen. Aber man sieht Kinder auch nur auf diesen Plätzen. Sonst sieht man sie nicht. Überhaupt sieht man so wenig Menschen. Die verstecken sich wohl alle in ihren hübschen Häusern. Dabei ist es hier doch so sauber, da kann man ja von der Straße essen. Vielleicht ist es so sauber, weil so wenige Menschen draußen sind?

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Das Städtchen, in dem wir einen sogenannten homestay gefunden haben, ist sehr schick. Ganz anders als in den großen Megastädten, die wir in den letzten Monaten gesehen haben, ist es hier irgendwie so putzig, mit hübschen, alten Häuschen, Kopfsteinpflaster, schönen Kirchen und Plätzen. A propos alt: alte Menschen gibt es hier vergleichsweise viele.
Auf dem Weg mit dem Zug in ein noch kleineres Städtchen im Fränkischen, grünt und blüht die Landschaft in wunderschönen Farben. Sehr hübsch und sehr geordnet. Die Felder sind richtig groß und rechteckig und alles wirkt so aufgeräumt. Die Häuser stehen ordentlich in Reih und Glied mit Gärten ohne Gemüse und wieder ist es so ruhig. Hier dürfen wir auch an einer Begräbniszeremonie teilhaben. Sehr bewegend und traurig.

Zurück im Hällischen besuchen wir den „traditional local market“. Und hier gibt es sooo viele leckere Sachen, alles total frisch und hübsch und lecker. Wir decken uns natürlich ein mit leckerem und teurem Obst und Gemüse. Wir haben großes Glück, denn bei unserem homestay gibt es eine Supernachbarin, die uns so herzlich willkommen heißt, dass wir uns gleich wie zu Hause fühlen. Befremdlich hingegen ist die hiesige Einkaufswelt. Es gibt riesige Supermärkte, in denen einen das Warenangebot erschlägt und völlig überfordert. Zudem sind die Läden hier generell groß, hübsch sortiert und manche wirken fast leer.

Leider ist das Wetter nicht sonderlich sommerlich, so sind wir gezwungen, uns ums Auspacken von Umzugskartons zu kümmern. Das ist ziemlich uncool und ich hätte große Lust, einfach alles wegzuwerfen. So viel Zeugs bedeutet eine ganze Menge Ballast, den ich im letzten Jahr nicht vermisst habe. Seinen Hausstand auf einen Rucksack zu reduzieren, hat was!

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Aber nun ist Schluss mit Ablenkung, die Sachen wollen wieder zurück vom Dachboden in die Wohnung…
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We have to go

Jetzt geht es wirklich Richtung Heimat. Hoga Island war der östlichste Ort unserer Reise, ab jetzt halten wir uns an den Songtitel und reisen wieder nach Westen, „follow the sun“.

Zunächst steht wieder ein Besuch unserer Freunde in Kendari an. Fünf Tage genießen wir ihre Gastfreundschaft und sind bei einem Gottesdienst dabei, erkunden die Statteile von Kendari mit dem Auto, gehen mal wieder zu einem Arzt, decken uns mit Souvenirs ein, gehen nochmal Karaoke singen, besuchen eine kleine Schule, machen einen Bilderabend zu unserer Reise und werden mit Geschenken für uns und für viele Menschen in Hall bestückt. Unsere Rucksäcke sind zu zwei Dritteln mit Geschenken und Souvenirs gefüllt.

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Dann heißt es „Abschied nehmen“ und wir fliegen mit vielen guten Wünschen und einem Auftrag in Richtung Heimat: die Kirchenpartnerschaft zwischen Schwäbisch Hall und Kendari sollte wieder mit mehr Leben gefüllt werden, denn der Austausch bereichert unsere Kultur. So werden wir in den kommenden Wochen und Monaten das eine oder andere Gespräch führen. Beispielsweise über die kleine Juniorhighschool, die die Kirche vor zwei Jahren mit 30 Schülern gestartet hat oder über einen Besuch mit Gegenbesuch von jungen Erwachsenen in den nächsten Jahren.

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Der letzte Zwischenstopp ist Singapur. Wir erkunden zwei Tage lang die Stadt, die vielen asiatischen Kulturen Heimat bietet. Unter anderem Chinesen, Indern, Indonesiern, Malayen, … Deshalb haben sich verschiedene Viertel gebildet, die völlig unterschiedlich sind. Sehr abgefahren ist das Banken- und Nobelviertel um die Marina Bay. Hier beherrschen Luxus und Wohlstand das Stadtbild. Abgefahrene Bauwerke wie das Marina Sands Hotel ziehen uns in ihren Bann. Und wir bekommen ein letztes Mal „Besuch“. Marcel weitet einen Geschäftstermin aus, um mit uns die Stadt zu entdecken – sein Gepäck entdeckt die Stadt ebenfalls, allerdings ohne ihn;-)
Am letzten Abend schwächelt Ute ein wenig und so verbringen Marcel und ich einen ganz besonderen, skurrilen Herrenabend in einer chinesischen Bar in Little India.
Trotz aller Sehenswürdigkeiten und den verschiedenen kulturellen Einflüssen begeistert uns die Stadt aber nicht so sehr, wie erwartet. Irgendwie fehlt ihr die Seele und die einzigartige Identität. Zudem ist Singapur nicht so super sauber, wie alle erzählen. Für asiatische Verhältnisse ist sie sehr sauber, aber ansonsten eher wie bei uns.

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Nun geht es aber wirklich nach Hause. Der Flieger bringt uns mit einem Stopover in Sri Lanka in etwa sechzehn Stunden zurück nach Deutschland. Mal schauen, welche Abenteuer zu Hause auf uns warten, immerhin waren wir jetzt doch ein paar Tage nicht mehr dort.
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Du, Du allein kannst mich verstehen

Der Titel hat diesmal nichts mit meinen Eindrücken von Indonesien zu tun, da wären mal wieder Textzeilen wie island in the sun, hey (there) Mister Mister oder sing, sing, sing passender gewesen. Aber die Indonesier lieben Karaoke, nicht nur im KTV, sondern auch auf Booten mit fetten Boxen (leider direkt neben meinem Kopf). Auch wir werden in diverse Karaokeschuppen gezerrt, sehr zur Freude Olis. Und wir müssen deutsch singen. Und was gibt es da zur Auswahl? An deutschem Liedgut lässt sich wenig finden, letztendlich gibt es ein deutsches Lied, den Kassenschlager schlechthin: „Du“ von Peter Maffay:)

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Der Inselstaat ist viel größer als wir es uns vorgestellt haben. Daher haben wir auch die Entfernungen hier unterschätzt. Mit 240 Millionen Einwohnern ist Indonesien die viertgrößte Population der Welt und die braucht auch Platz. Indonesien hat hunderte von Inseln und mindestens genau so viele unterschiedliche Stämme. Daher ist jede Insel anders. Wir lernen nur ganz kleine Teile kennen. Um wirklich einen Einblick von Indonesien zu bekommen, muss man vermutlich ein Jahr lang nur hier herumreisen, machen wir das nächste Mal. Was, glaube ich, aber für alle Indonesier gilt ist, ihre herzliche Freundlichkeit, die Freude am Lachen, irgendwie eine kindliche Unschuld, der Spaß an Musik, v.a. am Singen, egal wo, ihre Neugier und ihre Gastfreundschaft und die damit verbundene Neigung, einen mit Geschenken zu überhäufen. Letzeres beschämt uns fast. Wir bekommen hier so viel Herzlichkeit, Zeit und Aufmerksamkeit und dann werden wir noch mit kostbaren Geschenken überhäuft. Sich dagegen zu wehren ist zwecklos. Die spinnen einfach, die Indonesier und dann entschuldigen sie sich, dass sie uns nicht mehr geben können, als ein Hotelzimmer zu bezahlen oder Silberringe. Mittlerweile sind unsere Rucksäcke jeweils fünf Kilo schwerer geworden…..

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Auf Flores sind wir hauptsächlich typische Urlaubstouristen. Da wir einen Tauchkurs machen und Oli kränkelt, sind wir nur in Labuan Bajo und sehen ganz wenig von der Insel. Hier haben wir den Eindruck, dass hinter jedem Unternehmen ein Westler steht (in Wakatobi ist es etwas anders). Die kurzen Ausflüge ins Inselinnere sind sehr schön. Man hat das Gefühl, dass die Leute wenig Touristen auf Rollern sehen, sogar so nahe an der Touristenhochburg. Uns wird zugewunken und die Kinder wollen sich mit uns abklatschen. Das fitzt ganz schön, so beim Fahren. Flores ist weitgehend katholisch, daher wird am Sonntag wohl viel Arak getrunken. Sulawesi ist muslimischer, daher gibt es hier sehr wenig Alkohol. Auf Sulawesi sind wir eigentlich nur in Kendari und auf ein paar angrenzenden Inseln, daher auch ein eher bescheidener Einblick, dafür wunderschön.

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Da wir in Indonesien die eine oder andere Ärztin besuchen, lernen wir das Konzept „Arztpraxis in Apotheke“ kennen. Sehr praktisch. Zudem arbeiten die Ärzte hier häufig in der Klinik und betreuen am Nachmittag und Abend unterschiedliche Praxen, in denen sie dann jeweils für ein bis zwei Stunden sind. Oder in Kendari erheblich länger, z.T. bis mitten in die Nacht. Und in so mancher Arztpraxis und Apotheke gibt es ein Photoshooting – we are famous again.

In Indonesien erhalten wir auch einen kleinen Einblick in die fantastische Unterwasserwelt. Unglaublich was es da alles an abgefahrenen Formen und Farben gibt. Und die Tiere sind im Gegensatz zu den meisten Landtieren nicht sonderlich scheu, „rennen“ also nicht gleich weg. Das raubt einem förmlich den Atem und daher haben unsere Dive Masters immer mehr Luft übrig als wir. Wir müssen mehr üben! Allerdings zeigt sich auch, dass wir Weicheier sind und unsere Ohren Schwierigkeiten mit dem Druck da unten haben. Dafür bereiten wir uns schon darauf vor alt und schwerhörig zu werden, sehr amüsant – Hä? Wie bitte? Was?

Die Kleidung, bzw. was man anzieht hat hier wesentlich mehr Bedeutung als bei uns. So sieht man beispielsweise in Kendari fast niemanden mit kurzen Hosen, auf den kleinen Inseln hingegen schon. Auch sind die Schultern der Frauen grundsätzlich bedeckt. Baden gehen alle mit ihren kompletten Klamotten. Badebekleidung gibt es eigentlich nicht und nur die Kinder dürfen Haut zeigen, und natürlich die Männer ihren Oberkörper. A propos. Indonesien ist wieder ein „Plauze-raus“ Land. D.h. T-Shirt einmal nach oben klappen und Plauze der Sonne zeigen.

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Im Vorfeld habe ich gelesen, dass die Indonesier im Schnitt neun Stunden am Tag in einen Bildschirm starren, da habe ich mich natürlich gefragt, wie das denn sein kann. Jetzt weiß ich es. Die Lösung liegt bei den Handys und den vielen TVs überall (Kantor Imigrasi, Pete Pete, Cafés, Restaurants,….) Die meisten Indonesier haben nicht nur ein Mobiltelefon, sondern zwei bis drei. Dafür haben andere in ärmeren Dörfern keines, die haben ja auch kein Strom, da braucht man sowas nicht…
Eine krasse Besonderheit für uns war zu dem, dass wir in Indonesien für unsere Verhältnisse unglaublich viel geflogen sind. Zeitmangel und Krankheit haben diesen Umstand leider begünstigt.

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Ich bin sehr dankbar für die wundervollen Menschen, die wir hier besucht haben und mal wieder völlig überwältigt von dieser Mentalität, nicht nur der des Schenkens. Wenn man sich beispielsweise zur Begrüßung die Hand gibt führt man anschließend die eigene Hand kurz ans Herz, um zu verdeutlichen, dass man von Herzen gegrüßt wird. Kinder behalten die Hand des Erwachsenen in ihrer und führen diese mit einer leichten Verbeugung an ihre Stirn.
Mal schauen, wann es das nächste Wiedersehen gibt.
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This is my last resort

Und das haben wir auf der Insel Hoga gefunden. Eigentlich ist es auch unser „first resort“ auf der Reise, aber dazu gibt es kein Lied;-) Der Liedtitel in Utes Kopf, der sich dort schon wochenlang rumtrieb, war auch der eigentliche Grund, warum wir in ein Resort gegangen sind. Passender wären Titel wie island in the sun, another day in paradise, eine Insel, ich geh mit dir wohin du willst, auch bis ans Ende dieser Welt, … gewesen, aber Hirnfurz ist nunmal Hirnfurz!

Da in der Reisekasse noch ein paar Groschen klimpern, gönnen wir uns mal eine tropische Insel fast für uns alleine. Das Wiahoga Resort ist so ziemlich das, wovon ich träume, wenn ich von einsamen Inseln träume. Wer zu Neid neigt, sollte jetzt mit dem lesen aufhören!

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Hoga ist Natur und Erholung pur! Es gibt ein winziges Fischerdorf am einen Ende der Insel, unberührten, weißen Sandstrand, Kokospalmen, unsere Hütte fast direkt am Strand, ein wunderschönes Korallenriff um die Insel, zum Schnorcheln und Tauchen. Die Fischer kommen in ihren Kanus mit dem Fang des Tages vorbei und unsere Resortmanagerin kocht für uns vier Bewohner leckeren Fisch, oder Shrimps, oder Calamari oder Krebse, oder…
Wenn wir nicht im kristallklaren Wasser planschen oder tauchen, liegen wir in der Hängematte zwischen Palmen und genießen das Leben. Ab und zu wandert eine Riesenechse vorbei und sagt Hallo. Abends sitzen wir am Strand und bestaunen den Sternenhimmel oder lassen Einsiedlerkrebse ein Wettrennen veranstalten.

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Das Tauchen ist hier, wie schon in Komodo, wunderschön. Ungefähr 200 Meter vom Strand entfernt, gibt es „the wall“ – das Korallenriff fällt bis zu 50 Meter senkrecht nach unten ab. Der Hammer, aber tiefer als 24 Meter wagen wir uns nicht. Unser dive master ist ‚ne Wucht im Finden kleiner und gut getarnter Dinge. So sehen wir winzige Babyseepferdchen in blaugrau und lila, oder die zwei Zentimeter große, haarige Gorillacrab. Aber natürlich gibt es auch viele Fische zu bestaunen, in allen möglichen Formen und Farben. Am abgefahrensten sind die Nudibranches, kleine Nacktschnecken in den knalligsten Farben.

So ein Paradies versteckt sich ganz gerne, deshalb ist die An- und Abreise etwas abenteuerlich. Local boats sind angesagt, um in den Wakatobi Nationalpark zu kommen. Und so schippern wir in mehr oder weniger hochseetauglichen Gefährten vierzehn Stunden übers Meer. Und das Meer will sich uns ja auch ordentlich präsentieren und zeigt uns, wie lustig so ein Boot schaukeln kann, aber Ute ist mittlerweile so reisetauglich, dass ihr gar nicht schlecht wird. Sie liegt aber auch die ganze Zeit mit geschlossenen Augen da.

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Friends will be friends

Im deutschen Sprachgebrauch ist man trotz Facebook eher feinfühlig, wenn es um den Begriff „Freund“ geht. Wir unterscheiden zwischen Freunden, Bekannten, Kollegen, Genossen und whatever. In Indonesien ist das ganz anders, hier hat man ganz schnell viele Freunde. Und deshalb sind wir jetzt – ganz undeutsch – bei unseren indonesischen Freunden in Kendari angekommen. Unsere Freunde haben wir vor sechs Jahren bei einem Jugendaustausch zwischen dem Haller Jugendwerk und der evang. Kirche von Südostsulawesi (GEPSULTRA) kennengelernt. Der Jugendchor von Kendari war zu Gast in Hall und wir erlebten eine sehr eindrucksvolle Zeit miteinander. Damals haben Ute und ich versprochen, „wir kommen euch besuchen“. Und schwupps, schon sind wir da!
Und was wir hier an Gastfreundschaft, an Herzlichkeit, an Wärme erfahren dürfen, ist einfach nur wunderbar. Eine der Chorsängerinnen – Echi – ist quasi unsere Rundumbetreuerin, die dafür Sorge trägt, dass es uns an nichts fehlt. Wir wurden bereits im Vorfeld mit Anreiseinfos und Übersetzungshilfen versorgt, werden nun natürlich vom Flughafen abgeholt. Dann werden wir ins Hotel gefahren, aber nicht in das Billighotel, das wir uns ausgesucht hatten, sondern ins „Plaza Inn“ – das Zimmer zahlen wir selbstverständlich nicht selbst. Nach einem ausgeklügelten System werden wir immer von verschiedenen Chorleuten überall hin eingeladen, zum Essen, zum Karaokesingen, zum Geburtstagsbesuch, zu einer Besprechung über den nächsten Jugendaustausch, …

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Nach nur drei Tagen reisen wir weiter in den Süden Sulawesis, kommen aber natürlich nochmal für fünf Tage am Ende unserer Tour zurück – das müssen wir hoch und heilig versprechen!
Und im Süden, in Bau Bau, machen wir nochmal einen zweitägigen  Zwischenstopp. Echis Freundin holt uns natürlich von der Fähre ab und bringt uns mit Motorrollern ins Hotel (5 min Fußweg). Die nächsten Tage verlaufen ähnlich wie in Kendari, außer dass wir unsere neuen Freunde bisher überhaupt nicht kannten und wir sie zum Essen einladen dürfen. Wir ziehen mit Vivi und ihren Freunden herum und sie zeigen uns alles, was man in Bau Bau so sehen muss, den Strand, den Kaskadenwasserfall, die Festung, die Plätze, an denen man die Sonnenuntergänge anschaut. Wir sind sofort Teil der Gruppe und fühlen uns so gut aufgehoben, das ist einfach nur schön.

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Und trotzdem freuen wir uns jetzt darauf, ein paar Tage wieder alleine unterwegs zu sein, denn so viel Nähe und Versorgung ist doch auch mitunter anstrengend. So zieht es uns nun gefühlt wirklich ans Ende der Welt. Es gibt ja schon wenige Menschen, die auf Anhieb sagen können, wo Südostsulawesi ist. Aber wer kennt denn bitte den Wakatobi Nationalpark und dort die Insel Hoga?

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Underwater love

Der Komodo-Nationalpark, östlich von Flores, wurde 1991 gegründet. Eigentlich, um die einzigartigen, nur hier vorkommenden  Komodowarane zu schützen. Die bis zu drei Meter großen „Drachen“ sind beeindruckende Tiere. Sie ernähren sich von Wildschweinen, Rehen oder auch Wasserbüffeln, indem sie sie beißen und dadurch vergiften. Nach ein paar Tagen oder Wochen fällt die Beute tot um, so lange folgen ihnen die Echsen. Falls sie hungrig sind, können auch mal Menschen auf der Speisekarte stehen. Dabei sehen sie sooo nett aus!

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Erst etwas später wurde der Nationalpark auf das Meer in der Komodo-Region ausgeweitet, denn das ist noch beeindruckender als die Drachen.
Das Aufeinandertreffen zweier Ozeane kreiert besondere Strömungen, ein reiches Planktonvorkommen und dadurch quasi ein „All you can eat-Büffet“ für allerlei Meeresgetier. Und deshalb müssen wir die Unterwasserwelt ganz genau anschauen. Also brauchen wir einen Tauchschein!
Fünf Tage später sind wir lizenzierte Open Water Divers und sind völlig fasziniert von dem, was wir da unten gesehen haben. Es gibt auch ein paar Bilder davon!

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Die herrlich bunten Korallenriffe bilden die Kulisse für eine völlig abgefahrene Tierwelt. Mordsspektakulär sind die großen Bewohner wie gechillte Meeresschildkröten, spielende Delfine, satte Riffhaie oder majestätische Mantas, die im Wasser fliegen. Aber auch die kleinen Riffbewohner sind obercool. Nemo und Dori, Einhornfische, Gorillakrabben, Rochen, Moränen, Seesterne, riesen Muscheln, … die Farben und Formen sind so unglaublich. Gott muss einen sehr kreativen Tag gehabt haben, als er die Unterwasserwelt erschaffen hat. Wir kommen vor lauter Faszination kaum dazu, Flores zu erkunden. Aber das Meer ist einfach der Wahnsinn. Und hier kann man coole Driftdives machen – man lässt sich einfach von der Strömung mitreißen und taucht nach ein paar Kilometern Drift wieder auf:-)

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Unsere super sympathische Tauchlehrerin hat uns gewarnt, dass wir wohl keinen besseren Platz auf der Welt zum Tauchen finden werden. Wir müssen also immer wieder nach Flores kommen.
Jetzt führt uns unser Weg weiter zur letzten Station – Südostsulawesi. Dort besuchen wir „unseren“ indonesischen Chor, den wir in Schwäbisch Hall bei einem Jugendwerksprojekt zu Gast hatten. Und vielleicht finden wir dort ja nochmal ein hübsches Tauchrevier…
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To the south, to the south, my time is running out

Jetzt aber mal flott nach Süden.
Wenn wir unser Ziel, Kendari, noch erreichen wollen, müssen wir mal wieder Strecke machen. Der Plan für die nächsten Wochen ist perfekt, jetzt muss er nur noch funktionieren. Also fahren wir mit dem Nachtzug von Bangkok bis Georgetown in Malaysia. Von dort nehmen wir die Fähre nach Sumatra … – FEHLER- … Die Fährverbindung wurde vor Kurzem eingestellt. Verdammt! Und warum? Weil alle immer fliegen wollen („just a 40 minutes flight. Only starting and landing!And the boat is too dangerous.“). Keiner hat mehr Zeit, um ein paar Stunden mit dem Boot zu fahren. In was für einer Welt leben wir eigentlich, wenn man selbst einem fünf Jahre alten Lonely Planet und Websites, die zuletzt 2013 aktualisiert wurden, nicht mehr vertrauen kann? Nun stehen wir also in Georgetown, sind frustriert und brauchen einen neuen Plan.

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Wir fahren mit dem Zug nach Mekassa und nehmen dort die Fähre nach Sumatra … – FEHLER- … Die fährt nur alle zwei Wochen und so viel Zeit haben wir nicht mehr. Was jetzt? Mit der Fähre von Singapur nach Jakarta … – FEHLER- … die fährt erst in einer Woche, auch zu spät. Wie wärs mit Fliegen? … – FEHLER- … wir wollen nicht fliegen!!! Aber wenn wir fliegen, haben wir genügend Zeit für das, was wir in Indonesien sehen wollen … – FEHLER- … wir WOLLEN nicht fliegen! Und wenn fliegen, wo denn hin? … – FEHLER- … nicht fliegen!? Aber wenn wir nach Bali fliegen, fährt am Tag danach die Fähre nach Flores, dann könnten wir dort über zwei Wochen sein… doch fliegen? ***AHHHRRRGGGHHH****, wir fliegen!

Aber zuerst schauen wir uns Georgetown an und schlemmen in der Streetfood-Hauptstadt an leckeren Buden zur Frustbewältigung. Dann geht’s mit dem Nachtbus – mal wieder Nachtbus, hurra! – nach Kuala Lumpur, wo uns der Flieger nach Bali erwartet. Auf Bali bekommen wir zum Glück noch ein Ticket für die Fähre nach Flores. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert! Dann noch kurz am Stadtstrand die Surfer beobachten und kurz durchs Meer laufen – zwanzig Stunden sind genug Bali.

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Am nächsten Morgen geht es um sieben auf die Fähre Richtung Flores – economy class, was anderes gibts nicht! Das bedeutet, viel Kontakt zu den mitreisenden Indonesiern, denn unsere „Kabine“ hat 108 Schlafplätze. Wir verbringen eine wunderschöne 34-stündige Überfahrt, vorbei an vielen üppig grün bewachsenen Vulkaninseln und lernen von ein paar neuen Freunden die ersten Brocken indonesisch und einiges über Land und Leute. Wie schön, dass es doch noch die eine oder andere Fähre auf der Welt gibt!

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Auf Flores sind wir nun am südlichsten Punkt unserer Reise angekommen, ab jetzt kommen wir der Heimat wieder näher, aber zunächst erkunden wir hier mal die Insel und schauen, was für abgefahrene Tiere wir finden. Man munkelt von Drachen…

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Another journey by train

Endlich sitzen wir wieder im Zug!

Mit dem Zug durch Thailand zu gondeln, ist ein sehr nostalgisches Reisen. Man kommt sich vor, als wäre man ein paar Jahrzehnte in die Vergangenheit versetzt worden. Die Waggons und Bahnhöfe sind sehr hübsch und altertümlich, die Bahnmitarbeiter haben wunderschöne Uniformen mit Abzeichen an, es werden Flaggen geschwenkt und Glocken von Hand geläutet, wenn ein Zug losfahren darf und die Schaffner stanzen Herzchen in den Fahrschein, um ihn zu entwerten! An den Bahnübergängen gibt es noch Wärter, die die Schranken manuell steuern. Da jubiliert das Eisenbahner-Gen in mir mal wieder. Es ist ein bisschen wie eine Fahrt mit dem feurigen Elias, nur mit einer Diesellok.

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Doch bevor uns die Eisenbahn nach über zwei Monaten mal wieder hatte, war da ja noch unsere Kurzvisite in Kambodscha. Da wir uns in Vietnam und Laos etwas mehr Zeit gelassen haben, haben wir uns in Kambodscha auf die Hauptstadt Phnom Penh und Siem Reap mit den Tempeln von Angkor beschränkt – 7 Tage und 7 Nächte. Und diese Tempelanlagen waren einen Besuch auf jeden Fall wert. Mitten im Dschungel erwartet die jährlich etwa drei Millionen Touristen ein beeindruckendes Wunderwerk, das die Menschen vor etwa tausend Jahren geschaffen haben. Zum Teil noch richtig gut erhalten (Angkor Wat), zum Teil von der Natur wieder fast verschluckt, kann man sich hier gleich mehrere Tage satt sehen und das eine oder andere Foto machen. Ute hat es geschafft, an den beiden Tagen über 700 Bilder zu schießen!!! Wer Tomb Raider gesehen hat (und nicht nur Augen für Lara Croft hatte), der kann sich vorstellen, wie es hier aussieht – der wurde zum Teil in Angkor gedreht.

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Ein Gefühl für das Land und deren Bewohner konnte sich in so kurzer Zeit natürlich nicht einstellen – müssen wir beim eben nochmal her:-)
Auffallend war, dass v.a. in Phnom Penh viele westliche komische ältere Männer rum laufen, fast alle mit einer Asiatin im Schlepptau.

Meine Trauma-Aufarbeitung in Bagkok hat hervorragend funktioniert. Ich hatte ja so meine Bedenken, denn bei unserem ersten Kurzbesuch vor elf Jahren hat mich die Stadt in kürzester Zeit fertig gemacht. Doch nun, mit der Erfahrung von fast dreihundert Reisetagen, war Bangkok geradezu entspannend. Wobei nach wie vor gilt: die Tuk-Tukfahrer sind lebensmüde und völlig verrückt. In ihren frisierten, bunten, lauten Klapperkisten heizen sie wie die Gestörten durchs Verkehrschaos. Es gibt zum Glück andere Verkehrsmittel, man muss ja nicht mit dem Tuk-Tuk fahren, ist aber ein guter Adrenalinkick! Im Kino erwartete uns ein ganz besonderer Spezialeffekt: vor dem Film gibt es die Durchsage, sich zu Ehren des Königs zu erheben. Dann kommt ein kurzes Video über den hier glühend verehrten König und seine noch mehr verehrte Königin und erst dann geht der Film los.

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Jetzt durchqueren wir mit dem etwas flotteren Nachtzug ganz schnell Thailand, kucken uns Georgetown/Penang in Malaysia an, bevor wir in den letzten dreißig Tagen Indonesien erkunden.

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Insane in the brain!

„Völlig krank im Kopf“, etwas anderes fällt mir nicht ein, wenn ich in Choeung Ek, den Killing fields nahe Phnom Penh in Kamdoscha stehe. Hier und an vielen weiteren Killing fields im Land haben die roten Khmer unter ihrem Führer Pol Pot innerhalb von drei Jahren etwa 3 Millionen Landsleute umgebracht. Das waren 40 Prozent der Gesamtbevölkerung Kambodschas. Wie krank! Und das alles, weil sie einer Utopie verfallen waren, wie die zukünftige Gesellschaft auszusehen hat. Die Utopie vom Arbeiter- und Bauernstaat wurde radikal umgesetzt. Phnom Penh, die Hauptstadt mit 2 Millionen Menschen, wurde innerhalb von drei Tagen geräumt. Wer die Stadt nicht verlassen hat, wurde direkt exekutiert. Alle Intellektuellen, Ärzte, Lehrer, Brillenträger wurden umgebracht oder, wenn sie viel Glück hatten, als Sklaven in den Reisfeldern eingesetzt. Sogar Kleinkinder und Säuglinge wurden brutal umgebracht, indem man sie mit den Köpfen gegen Bäume geschleudert hat – man muss das Übel an der Wurzel…

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Und das Ganze geschah nicht irgendwann vor grauer Vorzeit, sondern vor weniger als vierzig Jahren. Und die Welt hat jahrelang weggeschaut anstatt zu helfen. Schlimmer noch, die UNO hat dieses kranke Regime finanziell unterstützt und ihnen einen Sitz in der Vollversammlung gegeben, die USA haben Waffen für den Genozid geliefert! Es hat politisch in den Kram gepasst, dass ein Land sich selbst auslöscht, also hat man mal abgewartet, was so passiert. Es ist wirklich nicht zu glauben, wie krank die Menschheit doch ist. Wir lernen tatsächlich Nichts aus der Vergangenheit!

Die Kriegsgeschichte von Laos, Vietnam und Kambodscha vor Ort zu erleben, ist wirklich schmerzhaft und macht betroffen. Und gleichzeitig ist es beeindruckend zu sehen, wie die Menschen ihre Länder wieder aufbauen, wie freundlich und offen sie die Fremden empfangen, deren Staaten einen Großteil des Elends und des Leids verursacht haben. Hier geht’s zu den Bildern.

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Vom Erdbeben in Nepal haben wir hier natürlich auch gehört und in den Nachrichten Bilder gesehen. Das macht sprachlos! Die Orte, die nun in Schutt und Asche liegen, haben wir vor Kurzem noch angeschaut. Ein schräges Gefühl. Und dank der chinesischen Regierung, die uns durch Tibet hat reisen lassen, sind wir jetzt nicht dort.
Falls jemand was Spenden möchte und nicht weiß, wohin: Govinda Entwicklungshilfe e.V. ist eine uns bekannte deutsch-schweizer Organisation, die in Kathmandu Waisenhäuser und Schulen betreibt. Die können in dieser Situation jeden Euro gebrauchen. Unter www.waisenkind.de gibt es Infos über die Projekte in Nepal.
Spendenkonto:
KSK Ostalb
BLZ: 614 500 50
Konto: 805 015 135
BIC/Swift: OASPDE6AXXX
IBAN: DE04 6145 0050 0805 0151 35
Stichwort: Erdbeben Nepal
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Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt – sieh sie dir an.