Alle Beiträge von Oli

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Ich sitz auf einer Parkbank, fühl mich fast wie ein Tourist

Und was entdeckt so ein Tourist, wenn er durch eine schwäbisch-hällische Kleinstadt bummelt?
Hier gibt es doch tatsächlich extra Plätze für Kinder zum Spielen. Aber man sieht Kinder auch nur auf diesen Plätzen. Sonst sieht man sie nicht. Überhaupt sieht man so wenig Menschen. Die verstecken sich wohl alle in ihren hübschen Häusern. Dabei ist es hier doch so sauber, da kann man ja von der Straße essen. Vielleicht ist es so sauber, weil so wenige Menschen draußen sind?

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Das Städtchen, in dem wir einen sogenannten homestay gefunden haben, ist sehr schick. Ganz anders als in den großen Megastädten, die wir in den letzten Monaten gesehen haben, ist es hier irgendwie so putzig, mit hübschen, alten Häuschen, Kopfsteinpflaster, schönen Kirchen und Plätzen. A propos alt: alte Menschen gibt es hier vergleichsweise viele.
Auf dem Weg mit dem Zug in ein noch kleineres Städtchen im Fränkischen, grünt und blüht die Landschaft in wunderschönen Farben. Sehr hübsch und sehr geordnet. Die Felder sind richtig groß und rechteckig und alles wirkt so aufgeräumt. Die Häuser stehen ordentlich in Reih und Glied mit Gärten ohne Gemüse und wieder ist es so ruhig. Hier dürfen wir auch an einer Begräbniszeremonie teilhaben. Sehr bewegend und traurig.

Zurück im Hällischen besuchen wir den „traditional local market“. Und hier gibt es sooo viele leckere Sachen, alles total frisch und hübsch und lecker. Wir decken uns natürlich ein mit leckerem und teurem Obst und Gemüse. Wir haben großes Glück, denn bei unserem homestay gibt es eine Supernachbarin, die uns so herzlich willkommen heißt, dass wir uns gleich wie zu Hause fühlen. Befremdlich hingegen ist die hiesige Einkaufswelt. Es gibt riesige Supermärkte, in denen einen das Warenangebot erschlägt und völlig überfordert. Zudem sind die Läden hier generell groß, hübsch sortiert und manche wirken fast leer.

Leider ist das Wetter nicht sonderlich sommerlich, so sind wir gezwungen, uns ums Auspacken von Umzugskartons zu kümmern. Das ist ziemlich uncool und ich hätte große Lust, einfach alles wegzuwerfen. So viel Zeugs bedeutet eine ganze Menge Ballast, den ich im letzten Jahr nicht vermisst habe. Seinen Hausstand auf einen Rucksack zu reduzieren, hat was!

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Aber nun ist Schluss mit Ablenkung, die Sachen wollen wieder zurück vom Dachboden in die Wohnung…
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We have to go

Jetzt geht es wirklich Richtung Heimat. Hoga Island war der östlichste Ort unserer Reise, ab jetzt halten wir uns an den Songtitel und reisen wieder nach Westen, „follow the sun“.

Zunächst steht wieder ein Besuch unserer Freunde in Kendari an. Fünf Tage genießen wir ihre Gastfreundschaft und sind bei einem Gottesdienst dabei, erkunden die Statteile von Kendari mit dem Auto, gehen mal wieder zu einem Arzt, decken uns mit Souvenirs ein, gehen nochmal Karaoke singen, besuchen eine kleine Schule, machen einen Bilderabend zu unserer Reise und werden mit Geschenken für uns und für viele Menschen in Hall bestückt. Unsere Rucksäcke sind zu zwei Dritteln mit Geschenken und Souvenirs gefüllt.

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Dann heißt es „Abschied nehmen“ und wir fliegen mit vielen guten Wünschen und einem Auftrag in Richtung Heimat: die Kirchenpartnerschaft zwischen Schwäbisch Hall und Kendari sollte wieder mit mehr Leben gefüllt werden, denn der Austausch bereichert unsere Kultur. So werden wir in den kommenden Wochen und Monaten das eine oder andere Gespräch führen. Beispielsweise über die kleine Juniorhighschool, die die Kirche vor zwei Jahren mit 30 Schülern gestartet hat oder über einen Besuch mit Gegenbesuch von jungen Erwachsenen in den nächsten Jahren.

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Der letzte Zwischenstopp ist Singapur. Wir erkunden zwei Tage lang die Stadt, die vielen asiatischen Kulturen Heimat bietet. Unter anderem Chinesen, Indern, Indonesiern, Malayen, … Deshalb haben sich verschiedene Viertel gebildet, die völlig unterschiedlich sind. Sehr abgefahren ist das Banken- und Nobelviertel um die Marina Bay. Hier beherrschen Luxus und Wohlstand das Stadtbild. Abgefahrene Bauwerke wie das Marina Sands Hotel ziehen uns in ihren Bann. Und wir bekommen ein letztes Mal „Besuch“. Marcel weitet einen Geschäftstermin aus, um mit uns die Stadt zu entdecken – sein Gepäck entdeckt die Stadt ebenfalls, allerdings ohne ihn;-)
Am letzten Abend schwächelt Ute ein wenig und so verbringen Marcel und ich einen ganz besonderen, skurrilen Herrenabend in einer chinesischen Bar in Little India.
Trotz aller Sehenswürdigkeiten und den verschiedenen kulturellen Einflüssen begeistert uns die Stadt aber nicht so sehr, wie erwartet. Irgendwie fehlt ihr die Seele und die einzigartige Identität. Zudem ist Singapur nicht so super sauber, wie alle erzählen. Für asiatische Verhältnisse ist sie sehr sauber, aber ansonsten eher wie bei uns.

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Nun geht es aber wirklich nach Hause. Der Flieger bringt uns mit einem Stopover in Sri Lanka in etwa sechzehn Stunden zurück nach Deutschland. Mal schauen, welche Abenteuer zu Hause auf uns warten, immerhin waren wir jetzt doch ein paar Tage nicht mehr dort.
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This is my last resort

Und das haben wir auf der Insel Hoga gefunden. Eigentlich ist es auch unser „first resort“ auf der Reise, aber dazu gibt es kein Lied;-) Der Liedtitel in Utes Kopf, der sich dort schon wochenlang rumtrieb, war auch der eigentliche Grund, warum wir in ein Resort gegangen sind. Passender wären Titel wie island in the sun, another day in paradise, eine Insel, ich geh mit dir wohin du willst, auch bis ans Ende dieser Welt, … gewesen, aber Hirnfurz ist nunmal Hirnfurz!

Da in der Reisekasse noch ein paar Groschen klimpern, gönnen wir uns mal eine tropische Insel fast für uns alleine. Das Wiahoga Resort ist so ziemlich das, wovon ich träume, wenn ich von einsamen Inseln träume. Wer zu Neid neigt, sollte jetzt mit dem lesen aufhören!

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Hoga ist Natur und Erholung pur! Es gibt ein winziges Fischerdorf am einen Ende der Insel, unberührten, weißen Sandstrand, Kokospalmen, unsere Hütte fast direkt am Strand, ein wunderschönes Korallenriff um die Insel, zum Schnorcheln und Tauchen. Die Fischer kommen in ihren Kanus mit dem Fang des Tages vorbei und unsere Resortmanagerin kocht für uns vier Bewohner leckeren Fisch, oder Shrimps, oder Calamari oder Krebse, oder…
Wenn wir nicht im kristallklaren Wasser planschen oder tauchen, liegen wir in der Hängematte zwischen Palmen und genießen das Leben. Ab und zu wandert eine Riesenechse vorbei und sagt Hallo. Abends sitzen wir am Strand und bestaunen den Sternenhimmel oder lassen Einsiedlerkrebse ein Wettrennen veranstalten.

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Das Tauchen ist hier, wie schon in Komodo, wunderschön. Ungefähr 200 Meter vom Strand entfernt, gibt es „the wall“ – das Korallenriff fällt bis zu 50 Meter senkrecht nach unten ab. Der Hammer, aber tiefer als 24 Meter wagen wir uns nicht. Unser dive master ist ‚ne Wucht im Finden kleiner und gut getarnter Dinge. So sehen wir winzige Babyseepferdchen in blaugrau und lila, oder die zwei Zentimeter große, haarige Gorillacrab. Aber natürlich gibt es auch viele Fische zu bestaunen, in allen möglichen Formen und Farben. Am abgefahrensten sind die Nudibranches, kleine Nacktschnecken in den knalligsten Farben.

So ein Paradies versteckt sich ganz gerne, deshalb ist die An- und Abreise etwas abenteuerlich. Local boats sind angesagt, um in den Wakatobi Nationalpark zu kommen. Und so schippern wir in mehr oder weniger hochseetauglichen Gefährten vierzehn Stunden übers Meer. Und das Meer will sich uns ja auch ordentlich präsentieren und zeigt uns, wie lustig so ein Boot schaukeln kann, aber Ute ist mittlerweile so reisetauglich, dass ihr gar nicht schlecht wird. Sie liegt aber auch die ganze Zeit mit geschlossenen Augen da.

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Friends will be friends

Im deutschen Sprachgebrauch ist man trotz Facebook eher feinfühlig, wenn es um den Begriff „Freund“ geht. Wir unterscheiden zwischen Freunden, Bekannten, Kollegen, Genossen und whatever. In Indonesien ist das ganz anders, hier hat man ganz schnell viele Freunde. Und deshalb sind wir jetzt – ganz undeutsch – bei unseren indonesischen Freunden in Kendari angekommen. Unsere Freunde haben wir vor sechs Jahren bei einem Jugendaustausch zwischen dem Haller Jugendwerk und der evang. Kirche von Südostsulawesi (GEPSULTRA) kennengelernt. Der Jugendchor von Kendari war zu Gast in Hall und wir erlebten eine sehr eindrucksvolle Zeit miteinander. Damals haben Ute und ich versprochen, „wir kommen euch besuchen“. Und schwupps, schon sind wir da!
Und was wir hier an Gastfreundschaft, an Herzlichkeit, an Wärme erfahren dürfen, ist einfach nur wunderbar. Eine der Chorsängerinnen – Echi – ist quasi unsere Rundumbetreuerin, die dafür Sorge trägt, dass es uns an nichts fehlt. Wir wurden bereits im Vorfeld mit Anreiseinfos und Übersetzungshilfen versorgt, werden nun natürlich vom Flughafen abgeholt. Dann werden wir ins Hotel gefahren, aber nicht in das Billighotel, das wir uns ausgesucht hatten, sondern ins „Plaza Inn“ – das Zimmer zahlen wir selbstverständlich nicht selbst. Nach einem ausgeklügelten System werden wir immer von verschiedenen Chorleuten überall hin eingeladen, zum Essen, zum Karaokesingen, zum Geburtstagsbesuch, zu einer Besprechung über den nächsten Jugendaustausch, …

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Nach nur drei Tagen reisen wir weiter in den Süden Sulawesis, kommen aber natürlich nochmal für fünf Tage am Ende unserer Tour zurück – das müssen wir hoch und heilig versprechen!
Und im Süden, in Bau Bau, machen wir nochmal einen zweitägigen  Zwischenstopp. Echis Freundin holt uns natürlich von der Fähre ab und bringt uns mit Motorrollern ins Hotel (5 min Fußweg). Die nächsten Tage verlaufen ähnlich wie in Kendari, außer dass wir unsere neuen Freunde bisher überhaupt nicht kannten und wir sie zum Essen einladen dürfen. Wir ziehen mit Vivi und ihren Freunden herum und sie zeigen uns alles, was man in Bau Bau so sehen muss, den Strand, den Kaskadenwasserfall, die Festung, die Plätze, an denen man die Sonnenuntergänge anschaut. Wir sind sofort Teil der Gruppe und fühlen uns so gut aufgehoben, das ist einfach nur schön.

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Und trotzdem freuen wir uns jetzt darauf, ein paar Tage wieder alleine unterwegs zu sein, denn so viel Nähe und Versorgung ist doch auch mitunter anstrengend. So zieht es uns nun gefühlt wirklich ans Ende der Welt. Es gibt ja schon wenige Menschen, die auf Anhieb sagen können, wo Südostsulawesi ist. Aber wer kennt denn bitte den Wakatobi Nationalpark und dort die Insel Hoga?

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Underwater love

Der Komodo-Nationalpark, östlich von Flores, wurde 1991 gegründet. Eigentlich, um die einzigartigen, nur hier vorkommenden  Komodowarane zu schützen. Die bis zu drei Meter großen „Drachen“ sind beeindruckende Tiere. Sie ernähren sich von Wildschweinen, Rehen oder auch Wasserbüffeln, indem sie sie beißen und dadurch vergiften. Nach ein paar Tagen oder Wochen fällt die Beute tot um, so lange folgen ihnen die Echsen. Falls sie hungrig sind, können auch mal Menschen auf der Speisekarte stehen. Dabei sehen sie sooo nett aus!

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Erst etwas später wurde der Nationalpark auf das Meer in der Komodo-Region ausgeweitet, denn das ist noch beeindruckender als die Drachen.
Das Aufeinandertreffen zweier Ozeane kreiert besondere Strömungen, ein reiches Planktonvorkommen und dadurch quasi ein „All you can eat-Büffet“ für allerlei Meeresgetier. Und deshalb müssen wir die Unterwasserwelt ganz genau anschauen. Also brauchen wir einen Tauchschein!
Fünf Tage später sind wir lizenzierte Open Water Divers und sind völlig fasziniert von dem, was wir da unten gesehen haben. Es gibt auch ein paar Bilder davon!

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Die herrlich bunten Korallenriffe bilden die Kulisse für eine völlig abgefahrene Tierwelt. Mordsspektakulär sind die großen Bewohner wie gechillte Meeresschildkröten, spielende Delfine, satte Riffhaie oder majestätische Mantas, die im Wasser fliegen. Aber auch die kleinen Riffbewohner sind obercool. Nemo und Dori, Einhornfische, Gorillakrabben, Rochen, Moränen, Seesterne, riesen Muscheln, … die Farben und Formen sind so unglaublich. Gott muss einen sehr kreativen Tag gehabt haben, als er die Unterwasserwelt erschaffen hat. Wir kommen vor lauter Faszination kaum dazu, Flores zu erkunden. Aber das Meer ist einfach der Wahnsinn. Und hier kann man coole Driftdives machen – man lässt sich einfach von der Strömung mitreißen und taucht nach ein paar Kilometern Drift wieder auf:-)

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Unsere super sympathische Tauchlehrerin hat uns gewarnt, dass wir wohl keinen besseren Platz auf der Welt zum Tauchen finden werden. Wir müssen also immer wieder nach Flores kommen.
Jetzt führt uns unser Weg weiter zur letzten Station – Südostsulawesi. Dort besuchen wir „unseren“ indonesischen Chor, den wir in Schwäbisch Hall bei einem Jugendwerksprojekt zu Gast hatten. Und vielleicht finden wir dort ja nochmal ein hübsches Tauchrevier…
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To the south, to the south, my time is running out

Jetzt aber mal flott nach Süden.
Wenn wir unser Ziel, Kendari, noch erreichen wollen, müssen wir mal wieder Strecke machen. Der Plan für die nächsten Wochen ist perfekt, jetzt muss er nur noch funktionieren. Also fahren wir mit dem Nachtzug von Bangkok bis Georgetown in Malaysia. Von dort nehmen wir die Fähre nach Sumatra … – FEHLER- … Die Fährverbindung wurde vor Kurzem eingestellt. Verdammt! Und warum? Weil alle immer fliegen wollen („just a 40 minutes flight. Only starting and landing!And the boat is too dangerous.“). Keiner hat mehr Zeit, um ein paar Stunden mit dem Boot zu fahren. In was für einer Welt leben wir eigentlich, wenn man selbst einem fünf Jahre alten Lonely Planet und Websites, die zuletzt 2013 aktualisiert wurden, nicht mehr vertrauen kann? Nun stehen wir also in Georgetown, sind frustriert und brauchen einen neuen Plan.

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Wir fahren mit dem Zug nach Mekassa und nehmen dort die Fähre nach Sumatra … – FEHLER- … Die fährt nur alle zwei Wochen und so viel Zeit haben wir nicht mehr. Was jetzt? Mit der Fähre von Singapur nach Jakarta … – FEHLER- … die fährt erst in einer Woche, auch zu spät. Wie wärs mit Fliegen? … – FEHLER- … wir wollen nicht fliegen!!! Aber wenn wir fliegen, haben wir genügend Zeit für das, was wir in Indonesien sehen wollen … – FEHLER- … wir WOLLEN nicht fliegen! Und wenn fliegen, wo denn hin? … – FEHLER- … nicht fliegen!? Aber wenn wir nach Bali fliegen, fährt am Tag danach die Fähre nach Flores, dann könnten wir dort über zwei Wochen sein… doch fliegen? ***AHHHRRRGGGHHH****, wir fliegen!

Aber zuerst schauen wir uns Georgetown an und schlemmen in der Streetfood-Hauptstadt an leckeren Buden zur Frustbewältigung. Dann geht’s mit dem Nachtbus – mal wieder Nachtbus, hurra! – nach Kuala Lumpur, wo uns der Flieger nach Bali erwartet. Auf Bali bekommen wir zum Glück noch ein Ticket für die Fähre nach Flores. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert! Dann noch kurz am Stadtstrand die Surfer beobachten und kurz durchs Meer laufen – zwanzig Stunden sind genug Bali.

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Am nächsten Morgen geht es um sieben auf die Fähre Richtung Flores – economy class, was anderes gibts nicht! Das bedeutet, viel Kontakt zu den mitreisenden Indonesiern, denn unsere „Kabine“ hat 108 Schlafplätze. Wir verbringen eine wunderschöne 34-stündige Überfahrt, vorbei an vielen üppig grün bewachsenen Vulkaninseln und lernen von ein paar neuen Freunden die ersten Brocken indonesisch und einiges über Land und Leute. Wie schön, dass es doch noch die eine oder andere Fähre auf der Welt gibt!

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Auf Flores sind wir nun am südlichsten Punkt unserer Reise angekommen, ab jetzt kommen wir der Heimat wieder näher, aber zunächst erkunden wir hier mal die Insel und schauen, was für abgefahrene Tiere wir finden. Man munkelt von Drachen…

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Another journey by train

Endlich sitzen wir wieder im Zug!

Mit dem Zug durch Thailand zu gondeln, ist ein sehr nostalgisches Reisen. Man kommt sich vor, als wäre man ein paar Jahrzehnte in die Vergangenheit versetzt worden. Die Waggons und Bahnhöfe sind sehr hübsch und altertümlich, die Bahnmitarbeiter haben wunderschöne Uniformen mit Abzeichen an, es werden Flaggen geschwenkt und Glocken von Hand geläutet, wenn ein Zug losfahren darf und die Schaffner stanzen Herzchen in den Fahrschein, um ihn zu entwerten! An den Bahnübergängen gibt es noch Wärter, die die Schranken manuell steuern. Da jubiliert das Eisenbahner-Gen in mir mal wieder. Es ist ein bisschen wie eine Fahrt mit dem feurigen Elias, nur mit einer Diesellok.

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Doch bevor uns die Eisenbahn nach über zwei Monaten mal wieder hatte, war da ja noch unsere Kurzvisite in Kambodscha. Da wir uns in Vietnam und Laos etwas mehr Zeit gelassen haben, haben wir uns in Kambodscha auf die Hauptstadt Phnom Penh und Siem Reap mit den Tempeln von Angkor beschränkt – 7 Tage und 7 Nächte. Und diese Tempelanlagen waren einen Besuch auf jeden Fall wert. Mitten im Dschungel erwartet die jährlich etwa drei Millionen Touristen ein beeindruckendes Wunderwerk, das die Menschen vor etwa tausend Jahren geschaffen haben. Zum Teil noch richtig gut erhalten (Angkor Wat), zum Teil von der Natur wieder fast verschluckt, kann man sich hier gleich mehrere Tage satt sehen und das eine oder andere Foto machen. Ute hat es geschafft, an den beiden Tagen über 700 Bilder zu schießen!!! Wer Tomb Raider gesehen hat (und nicht nur Augen für Lara Croft hatte), der kann sich vorstellen, wie es hier aussieht – der wurde zum Teil in Angkor gedreht.

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Ein Gefühl für das Land und deren Bewohner konnte sich in so kurzer Zeit natürlich nicht einstellen – müssen wir beim eben nochmal her:-)
Auffallend war, dass v.a. in Phnom Penh viele westliche komische ältere Männer rum laufen, fast alle mit einer Asiatin im Schlepptau.

Meine Trauma-Aufarbeitung in Bagkok hat hervorragend funktioniert. Ich hatte ja so meine Bedenken, denn bei unserem ersten Kurzbesuch vor elf Jahren hat mich die Stadt in kürzester Zeit fertig gemacht. Doch nun, mit der Erfahrung von fast dreihundert Reisetagen, war Bangkok geradezu entspannend. Wobei nach wie vor gilt: die Tuk-Tukfahrer sind lebensmüde und völlig verrückt. In ihren frisierten, bunten, lauten Klapperkisten heizen sie wie die Gestörten durchs Verkehrschaos. Es gibt zum Glück andere Verkehrsmittel, man muss ja nicht mit dem Tuk-Tuk fahren, ist aber ein guter Adrenalinkick! Im Kino erwartete uns ein ganz besonderer Spezialeffekt: vor dem Film gibt es die Durchsage, sich zu Ehren des Königs zu erheben. Dann kommt ein kurzes Video über den hier glühend verehrten König und seine noch mehr verehrte Königin und erst dann geht der Film los.

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Jetzt durchqueren wir mit dem etwas flotteren Nachtzug ganz schnell Thailand, kucken uns Georgetown/Penang in Malaysia an, bevor wir in den letzten dreißig Tagen Indonesien erkunden.

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Insane in the brain!

„Völlig krank im Kopf“, etwas anderes fällt mir nicht ein, wenn ich in Choeung Ek, den Killing fields nahe Phnom Penh in Kamdoscha stehe. Hier und an vielen weiteren Killing fields im Land haben die roten Khmer unter ihrem Führer Pol Pot innerhalb von drei Jahren etwa 3 Millionen Landsleute umgebracht. Das waren 40 Prozent der Gesamtbevölkerung Kambodschas. Wie krank! Und das alles, weil sie einer Utopie verfallen waren, wie die zukünftige Gesellschaft auszusehen hat. Die Utopie vom Arbeiter- und Bauernstaat wurde radikal umgesetzt. Phnom Penh, die Hauptstadt mit 2 Millionen Menschen, wurde innerhalb von drei Tagen geräumt. Wer die Stadt nicht verlassen hat, wurde direkt exekutiert. Alle Intellektuellen, Ärzte, Lehrer, Brillenträger wurden umgebracht oder, wenn sie viel Glück hatten, als Sklaven in den Reisfeldern eingesetzt. Sogar Kleinkinder und Säuglinge wurden brutal umgebracht, indem man sie mit den Köpfen gegen Bäume geschleudert hat – man muss das Übel an der Wurzel…

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Und das Ganze geschah nicht irgendwann vor grauer Vorzeit, sondern vor weniger als vierzig Jahren. Und die Welt hat jahrelang weggeschaut anstatt zu helfen. Schlimmer noch, die UNO hat dieses kranke Regime finanziell unterstützt und ihnen einen Sitz in der Vollversammlung gegeben, die USA haben Waffen für den Genozid geliefert! Es hat politisch in den Kram gepasst, dass ein Land sich selbst auslöscht, also hat man mal abgewartet, was so passiert. Es ist wirklich nicht zu glauben, wie krank die Menschheit doch ist. Wir lernen tatsächlich Nichts aus der Vergangenheit!

Die Kriegsgeschichte von Laos, Vietnam und Kambodscha vor Ort zu erleben, ist wirklich schmerzhaft und macht betroffen. Und gleichzeitig ist es beeindruckend zu sehen, wie die Menschen ihre Länder wieder aufbauen, wie freundlich und offen sie die Fremden empfangen, deren Staaten einen Großteil des Elends und des Leids verursacht haben. Hier geht’s zu den Bildern.

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Vom Erdbeben in Nepal haben wir hier natürlich auch gehört und in den Nachrichten Bilder gesehen. Das macht sprachlos! Die Orte, die nun in Schutt und Asche liegen, haben wir vor Kurzem noch angeschaut. Ein schräges Gefühl. Und dank der chinesischen Regierung, die uns durch Tibet hat reisen lassen, sind wir jetzt nicht dort.
Falls jemand was Spenden möchte und nicht weiß, wohin: Govinda Entwicklungshilfe e.V. ist eine uns bekannte deutsch-schweizer Organisation, die in Kathmandu Waisenhäuser und Schulen betreibt. Die können in dieser Situation jeden Euro gebrauchen. Unter www.waisenkind.de gibt es Infos über die Projekte in Nepal.
Spendenkonto:
KSK Ostalb
BLZ: 614 500 50
Konto: 805 015 135
BIC/Swift: OASPDE6AXXX
IBAN: DE04 6145 0050 0805 0151 35
Stichwort: Erdbeben Nepal
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This is the New Year

Es ist wieder Neujahr!

Uns war echt nicht bewusst, zu welch unterschiedlichen Zeiten das neue Jahr in der Welt gefeiert wird. Mittlerweile heißt es für uns zum vierten Mal „Happy New Year“, obwohl wir doch erst seit neun Monaten unterwegs sind!
Zum ersten Mal haben wir in Nepal „Tihar“ gefeiert, das war im Oktober. Dann feierten wir am 31.12. zum zweiten Mal, diesmal Silvester in Indien. Das dritte neue Jahr „Tet“ begingen wir in Vietnam im Februar. Und nun also nochmal in Laos, „Pi Mai“.
Hier ist der Beginn des neuen Jahres gleichbedeutend mit Großputz. Es werden rituell an drei Tagen die Buddhastatuen mit Blütenwasser gewaschen und in den Klöstern und Tempeln Opfergaben für ein erfolgreiches neues Jahr dargebracht.

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Außerdem macht man auch zu Hause Großputz und, wenn man schon dabei ist, werden alle Leute mit Wasserpistolen, Schalen, Eimern, Schäuchen, Wasserbomben, … auch noch „gewaschen“.Beliebt ist auch die Verwendung von Puder, dass sich das Waschen auch lohnt. Das öffentliche Leben steht an diesen Tagen still. Man sitzt mit Freunden und der Familie vor dem Haus und feiert. Jeder, der vorbeikommt, wird zuerst gewaschen und dann zum Essen und Trinken eingeladen. Dazu hört man den ganzen Tag wahnsinnig laut Musik. Gruppen, hauptsächlich Jugendliche, cruisen, mit Wassertonnen auf Pick Ups durch die Straßen und liefern sich Wasserschlachten. So ein Riesenspaß! Und das legendäre Beer Lao fließt in Strömen.

Für uns ist Neujahr die letzte Sehenswürdigkeit in Laos, bevor wir nochmal einen kurzen Abstecher nach Vietnam machen, um anschließend nach Kambodscha weiterzureisen. Und die Feierlichkeiten genießen wir gleich an drei Orten, da wir mit dem Motorrad eine Rundtour machen. Den Vorabend erleben wir in Tat Lo, einem kleinen Dorf auf dem Bolaven-Plateau. Hier ist die Kaffeehochburg des Landes und wir bekommen Einblicke bei einer Führung auf einer Organic Farm. Sehr faszinierend wie aufwändig es ist, guten Kaffee zu produzieren. In Tat Lo selbst gibt es wunderschöne Wasserfälle und viele Wasserbecken, die zum Baden und zum Springen einladen.

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Vielleicht sind hier deshalb so viele Menschen zum Neujahr feiern, es ist ein bisschen, wie auf einem Jahrmarkt. Dann geht es weiter in die Stadt, nach Pakse. Was uns erst jetzt so richtig bewusst wird ist, dass an den Durchfahrtstraßen auch alle Durchreisenden gewaschen werden, so ist unsere Fahrt sehr nass! In Pakse steht der Verkehr zum Teil still, da die Wasserschlachten sehr ausgiebig zelebriert werden. Mehr Bilder zu diesem ganzen Spektakel wie immer hier!

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Dann geht es mit dem Bus weiter nach Attapue und wir dürfen erleben, dass auch Busse angehalten werden, damit die Insassen gewaschen werden können. In Attapue angekommen, streifen wir ein wenig durch die Straßen und werden eingeladen, mit ein paar jungen Familien zu feiern, später geht es zur Beer Lao Base, um noch ein bisschen mit Unterstützung der DJs weiterzufeiern – als höfliche Gäste nehmen wir natürlich auch diese Einladung an…
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Gib mir Musik

Die Rubrik Reisecharts beendet ihr stiefmütterliches Dasein ab sofort und widmet sich ihrem Bildungsauftrag.

Der Fakt, dass es in der Leserschaft doch zum Teil erschreckende musikalische Bildungslücken gibt, hat uns dazu veranlasst, diese zu schließen. Es soll niemand mehr sagen können, „was ist denn ‚I fahr Daimler‘ für ein Lied“ oder „wo ist denn Nischni Nowgorod“? Ab jetzt gibt es das Lied zum Blogartikel immer hier.

Wir hängen derzeit im Süden von Laos auf einer der 4000 islands herum und ertragen die Hitze mit kühlen Getränken, hin und wieder einem Bad im Mekong und eben mit Musik!