Kategorie-Archiv: Laos

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Probiers mal mit Gemütlichkeit

Und das tun wir vom ersten Tag an bis zum letzten in Laos. Zu Beginn lernen wir gleich die Trinkkultur bei Feierlichkeiten kennen. Beerlao ist das einzige laotische Bier und sogar trinkbar. Bei Festen halten sich die Frauen ans Bier, die Männer an den Lao Lao (Reiswhisky). In der Regel wird auf Ex getrunken. Der Kasten Bier steht unterm Tisch (auch, wenn man außer Haus feiert ist immer mindestens ein Kasten dabei, auch wenn man nur zu zweit ist), es wird in ein 150 ml Glas eingeschenkt und da man die Massen an Bier mangels Kühlschränken nicht kühlen kann, kommen Eiswürfel dazu. Dann zuprosten und weg damit, nächste Runde. Was für ein Glück, dass wir am Frauentisch saßen. An Pi Mai wird das genauso zelebriert, nur fängt man da bereits am Vormittag an.
Beerlao ist gefühlt der Hauptsponsor für jedes Restaurant, Café oder Übernachtungsdomizil, fast vor jedem prangt ein Beerlaoschild mit dem Namen des Etablissements.

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Die orange gekleideten Mönche sieht man hier wieder häufiger, da es fast überall Klöster gibt, auch in eher kleineren Dörfern. Die meisten sprechen ein sehr gutes Englisch. Zudem sind die Laoten noch etwas spiritueller als die Vietnamesen. Die Altäre für die Geister sind häugfiger sichtbar, auch beispielsweise an großen Bäumen oder Wasserfällen. Laoten scheinen, Fussballtrikots zu lieben. Es gibt sie in allen möglichen kreativen Varianten und gefühlt trägt jeder 3. eines davon.

Die Laoten sind unglaublich entspannt, sie können immer und überall schlafen (z.B. auf dem Markt, wenn sie eigentlich was verkaufen sollen), hängen gerne in der Hängematte und lassen alles mit Ruhe angehen. Dem gegenüber stehen die jungen zielstrebigen Laoten, die wir kennenlernen durften. Sie kommen mit 15 oder16 aus ihrem Dorf in die Stadt, um Englisch zu lernen und somit eine bessere Zukunft zu haben. Sie suchen den Kontakt zu Touristen, um ihre Sprachfertigkeiten zu trainieren und auszubauen. Ein 16-jähriger, der in einer Kneipe arbeitet und seinem Chef erzählt er sei 18, geht 6 Tage die Woche in die Schule, dann arbeiten, um sich die Schule und zusätzliche Stunden in Englisch zu finanzieren. Sonntags hat er Englischkurs und arbeitet oder übt mit Touristen. Er hat vor 5 Monaten angefangen die Sprache zu lernen und spricht fast fließend. Sehr beeindruckend. Auch ist er einer der jungen Laoten, der Big Brother Mouse (siehe „In the summertime“) zu Gute kommt. Zusätzlich lernt man dann noch Chinesisch und Französisch nebenher.

Oft wirkt der Gesichtsausdruck der Laoten verschlossen. Vor allem Mädchen und Frauen schauen sehr ernst. Lächelt man sie allerdings an, so geht ein herzerwärmendes Strahlen über das Gesicht, was einen förmlich überflutet und einen dieses Volk sofort ins Herz schließen lässt. Apropos Volk. Laos besteht aus drei großen Volksstämmen. Den Khmer, Tai und Hmong. Jeder der Stämme hat seine eigene Geschichte und Kultur und wir werden oft darauf hingewiesen, welchem Volksstamm der Gesprächspartner angehört. In den Dörfern sieht man noch oft die traditionelle Bauweise der Häuser. Diese stehen auf Stelzen und die Wände sind aus Holz oder meist aus Bambusmatten. Mittlerweile sieht man aber auch immer mehr Häuser aus Stein bzw. es werden viele neu gebaut.

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Der Wohlstand hält irgendwie Einzug. Wie und woher haben wir nicht herausgefunden. Deutlich ist nur, dass es viele fette Autos gibt, vorzugsweise SUVs oder Pick Ups. Letztere sind für Pi Mai außerordentlich wichtig, zum cruisen und für die Wasserschlachten.
Der Regierung sind die zum Teil entlegenen Dörfer ein Dorn im Auge. Daher wird zwangsumgesiedelt. Bis vor kurzem gab es keine Entschädigung für die betroffenen Familien. Anfangs des Jahrtausends wurde der Opiumanbau verboten, viele Bauern standen vor dem Abgrund und sie mussten in die Städte umsiedeln. Findet heutzutage die Umsiedlung aufgrund eines Dammprojektes statt, so wird kurzerhand ein Retortendorf gebaut. Die Dammprojekte verändern das Land, das Leben der Fischer. Vor allem Thailand und China sind die großen Investoren und Profiteure dieser Anlagen. Und der große Bruder China kümmert sich natürlich völlig uneigennützig um den kleinen Bruder Laos. Ganz anders der Westen, der fordert für die Entwicklungshilfe tatsächliche Weiterentwicklung. China ist das egal, Hauptsache es gibt Profit.
Schon in früheren Zeiten gab es ausländische Einflüsse, noch deutlich sichtbar sind die der Franzosen (Französische Beschriftungen auf Gebäuden, Liebe zu Pétanque und Baguette). Zudem gibt es auch richtig viele französische Touristen, die einen zur Begrüßung immer auf französisch ansprechen. Entweder Boujour oder Parlez-vous français? Komisches Volk.

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Apropos Touristen. Die gibt es seit Vietnam im Schnitt viel mehr als bisher auf unserer Reise – gewöhnungsbedürftig. V.a. da einige nicht wissen (wollen) wie man sich in einem asiatischen Land benimmt bzw. kleidet. Da könnt ich mich aufregen. Wer hat eigentlich behauptet, dass Hotpants oder Muskelshirts (heißen die so?) immer angemessen sind und gut aussehen?!? Auffallend ist, dass man immer wieder die selben Leute trifft, was hin und wieder sehr erfreulich ist.

In Laos begegnet uns zum ersten Mal dauerhafte Hitze. Die meisten Felder liegen brach, sind braun und ausgetrocknet oder frisch abgefackelt. Auffallend ist auch, dass fast alle Hänge bewirtschaftet sind, oft mit Monokulturwäldern. Allerdings blühen sehr viele Bäume, die Nationalblüte Champa ist oft zu bewundern. Auffallend ist, dass den Katzen die Schwänze gebrochen und/oder abgeschnitten werden. Warum? Keine Ahnung.
Der Indochina Krieg fällt einem nicht überall auf die Füße wie in Vietnam. Allenfalls in Kriegskunst mit den alten Bombenhülsen oder in Form von Schmuck oder Besteck, die aus dem Metall hergestellt werden. Dennoch wurde dieses Land ebenfalls heftig bombadiert, da der berüchtigte Ho Chi Minh Pfad sich auch im Süden durch das Land schlängelt. Hier sollte man auf keinen Fall ausgetretene Pfade verlassen, denn es gibt noch viele Tonnen von Blindgängern im Dschungel.

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This is the New Year

Es ist wieder Neujahr!

Uns war echt nicht bewusst, zu welch unterschiedlichen Zeiten das neue Jahr in der Welt gefeiert wird. Mittlerweile heißt es für uns zum vierten Mal „Happy New Year“, obwohl wir doch erst seit neun Monaten unterwegs sind!
Zum ersten Mal haben wir in Nepal „Tihar“ gefeiert, das war im Oktober. Dann feierten wir am 31.12. zum zweiten Mal, diesmal Silvester in Indien. Das dritte neue Jahr „Tet“ begingen wir in Vietnam im Februar. Und nun also nochmal in Laos, „Pi Mai“.
Hier ist der Beginn des neuen Jahres gleichbedeutend mit Großputz. Es werden rituell an drei Tagen die Buddhastatuen mit Blütenwasser gewaschen und in den Klöstern und Tempeln Opfergaben für ein erfolgreiches neues Jahr dargebracht.

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Außerdem macht man auch zu Hause Großputz und, wenn man schon dabei ist, werden alle Leute mit Wasserpistolen, Schalen, Eimern, Schäuchen, Wasserbomben, … auch noch „gewaschen“.Beliebt ist auch die Verwendung von Puder, dass sich das Waschen auch lohnt. Das öffentliche Leben steht an diesen Tagen still. Man sitzt mit Freunden und der Familie vor dem Haus und feiert. Jeder, der vorbeikommt, wird zuerst gewaschen und dann zum Essen und Trinken eingeladen. Dazu hört man den ganzen Tag wahnsinnig laut Musik. Gruppen, hauptsächlich Jugendliche, cruisen, mit Wassertonnen auf Pick Ups durch die Straßen und liefern sich Wasserschlachten. So ein Riesenspaß! Und das legendäre Beer Lao fließt in Strömen.

Für uns ist Neujahr die letzte Sehenswürdigkeit in Laos, bevor wir nochmal einen kurzen Abstecher nach Vietnam machen, um anschließend nach Kambodscha weiterzureisen. Und die Feierlichkeiten genießen wir gleich an drei Orten, da wir mit dem Motorrad eine Rundtour machen. Den Vorabend erleben wir in Tat Lo, einem kleinen Dorf auf dem Bolaven-Plateau. Hier ist die Kaffeehochburg des Landes und wir bekommen Einblicke bei einer Führung auf einer Organic Farm. Sehr faszinierend wie aufwändig es ist, guten Kaffee zu produzieren. In Tat Lo selbst gibt es wunderschöne Wasserfälle und viele Wasserbecken, die zum Baden und zum Springen einladen.

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Vielleicht sind hier deshalb so viele Menschen zum Neujahr feiern, es ist ein bisschen, wie auf einem Jahrmarkt. Dann geht es weiter in die Stadt, nach Pakse. Was uns erst jetzt so richtig bewusst wird ist, dass an den Durchfahrtstraßen auch alle Durchreisenden gewaschen werden, so ist unsere Fahrt sehr nass! In Pakse steht der Verkehr zum Teil still, da die Wasserschlachten sehr ausgiebig zelebriert werden. Mehr Bilder zu diesem ganzen Spektakel wie immer hier!

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Dann geht es mit dem Bus weiter nach Attapue und wir dürfen erleben, dass auch Busse angehalten werden, damit die Insassen gewaschen werden können. In Attapue angekommen, streifen wir ein wenig durch die Straßen und werden eingeladen, mit ein paar jungen Familien zu feiern, später geht es zur Beer Lao Base, um noch ein bisschen mit Unterstützung der DJs weiterzufeiern – als höfliche Gäste nehmen wir natürlich auch diese Einladung an…
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In the summertime

…when the weather is hot, schwitzen wir schon beim Nichtstun (haben gerade bis zu 38 Grad). Also können wir uns auch gleich ein bisschen bewegen.

Die letzten etwa 120 Kilometer am Nam Ou Fluss legen wir größtenteils mal wieder mit dem Kanu zurück, diesmal mit einem 2-Personen-Kajak und mit Guide (der gerne Geschichten über Todesfälle von Touristen erzählt). Die Landschaft ist fantastisch, denn in dieser Region ragen Karststeinberge steil empor und wir paddeln auf dem Fluss mitten hindurch. Ein bisschen schweißtreibender wird die Fahrt noch dadurch, dass gerade die Zeit ist, in der die Laoten ihre Felder abbrennen oder durch Brandrodung neue Felder gewinnen. Die Hitze der Feuer staut sich in den Tälern, die Sonne scheint nur milchig durch den Rauch und ein Ascheregen begleitet uns während der Tour.

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Natürlich gehen wir auch mal wieder Baden, wir sind ein bisschen zu mutig in einer Stromschnelle. Dieses Mal ist aber alles sehr gut und wasserdicht verpackt!!! Kurz vor Luang Prabang erreichen wir den Mekong, der uns mit einer heftigen Strömung und vielen Strudeln ziemlich ruppig empfängt, aber immerhin müssen wir nicht mehr soviel paddeln, bei dieser Fließgeschwindigkeit.

In Luang Prabang entdecken wir die Backstreet Academy, die interessierte Touris (also uns) zu Einheimischen vermittelt, die ihnen etwas von ihrem Können beibringen. Und so lernen wir vom Schmied, wie man aus alten LKW-Federn Messer schmiedet. Sauanstrengend, mit dem dicken Hammer immer auf den Stahl einzuhauen!
Außerdem können wir nun Reiswein herstellen. Haben wir in einem anderen Dorf von einer Khmer-Familie gelernt – Prost!

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Und wir besuchen Bigbrother-Mouse. Nein, das ist keine Reality-Show mit Nagetieren, sondern ein Projekt, das laotische Kinder fürs Lesen begeistern will. Da es bisher keine laotischen Kinderbücher gab, hat das Projekt Menschen gesucht, die Kindergeschichten kannten und sie angeleitet, diese Geschichten aufzuschreiben. Dadurch gibt es nun schon einige junge, laotische Schriftsteller, Cartoonisten, … und eben viele Bücher für Kinder. Ein sehr beeindruckendes Projekt, das nun Touren in Dörfer macht, und dort zu Lesepartys für Kinder einlädt und Bücher verteilt. Bei mehr Interesse kann man sich unter www.bigbrothermouse.com informieren.

Außerdem folgen wir dem Tipp eines jungen Briten, der uns freudestrahlend von einem Mahout-Training-Day erzählt hat. Also melden wir uns dazu an, einen Tag mit Elefanten zu verbringen. Wir freuen uns schon total darauf, in Kontakt mit diesen beeindruckenden Tieren zu kommen, sie zu füttern, über sie zu lernen, sie zu baden und abzuschrubben, ein paar Kommandos zu erlernen, um sie zu kontrollieren und kommen freudig und gespannt beim Elephantcamp an. Und dort erleben wir… nichts davon, was wir uns vorgestellt haben! Wir werden auf den Elefanten gesetzt, reiten eine Runde durch den Wald. Dann „lernen“ wir fünf Befehle, wie wir den Elefanten steuern und reiten nochmal die gleiche Runde durch den Wald. Die Befehle brauchen wir natürlich nicht, der Elefant läuft sowieso jeden Tag mehrmals genau den gleichen Weg. Dann gehen wir auf den Elefanten baden. Die Elefanten haben eigentlich keine große Lust dazu, aber es gehört ja zum Programm. Im Wasser springen die Mahouts den Elefanten auf dem Rücken rum, damit sie mit uns untertauchen – das zweifelhafte Highlight des Trainings. Zum Glück ist diese Erfahrung kurz danach auch vorbei. Wir bringen die Elefanten zurück in den Wald, dort werden sie wieder angekettet und wir fahren nach Hause. Für die Elefanten ist der Arbeitstag vorbei und am nächsten Tag passiert wieder das gleiche. Hinterher müssen wir uns eingestehen, dass wir doch etwas naive Vorstellungen von dem Elefantentraining hatten. Wir haben ein sehr realistisches Bild gesehen, wie hier auf dem Rücken der Tiere und ihrer Mahouts eine Menge Geld gemacht wird – mit so Leuten wie uns!

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Seit Luang Prabang sind wir auf der Traveller-Hauptroute durch Laos und spätestens einen Ort weiter, in Vang Vieng, ist mal wieder Fremdschämen für westliche Touristen dran. Es ist immer wieder erschreckend, wie naiv und gleichgültig sich Touristen benehmen! Ohne Respekt vor den Sitten und Regeln des bereisten Landes, feiern sich die Westler durch die Welt. Da fehlen einem die Worte. In allen Reiseführern, in Hotels und Guesthouses, überall wird darauf hingewiesen, dass man sich in Laos als Frau nicht zu knapp bekleidet zeigen sollte. Dies gilt als unhöflich und respektlos. Aber was kümmert das schon die Partymäuschen aus dem Westen. Schließlich wollen sie doch möglichst nahtlos gebräunt nach Hause kommen und sich den begattungsfreudigen Männchen ordentlich sexy präsentieren. Und die hormonüberfluteten Westlerjungs müssen sich natürlich richtig viel Mut ansaufen, um die Mädels zu beeindrucken. Awesome, you know! Zum Glück haben wir zum übernachten eine Farm gefunden, die außerhalb des Partyortes liegt. Und hier gibt es fantastisches Essen aus eigenem Anbau, unter anderem Ziegenkäse und alles Mögliche aus Maulbeeren – wie lecker!

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Der Minibus – in Laos gibt es leider keine Züge – bringt uns nach Vientiane, in die Hauptstadt. Denn da wir bisher im Norden so getrödelt haben, müssen wir unser Visum verlängern, und das geht am besten hier. Und Vientiane präsentiert sich hübscher, als erwartet. Mit vielen buddhistischen Tempeln und Klöstern liegt es am Mekong, der die natürliche Grenze zu Thailand bildet. Und die Stadt versprüht aufgrund der Kolonialzeit französischen Charme, durch kleine Cafés und leckere Restaurants. Abends wird die Hauptstraße gesperrt, damit die Bewohner sie zu sportlichen Aktivitäten nutzen können. Und so hat man das Gefühl, die ganze Stadt trifft sich zum Walken, Joggen, Schattenboxen und um den Sonnenuntergang anzuschauen. Außerdem gibt es einen Nachtmarkt, auf dem wir das eine oder andere Schnäppchen machen.

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Für uns steht nun mal wieder eine längere Busfahrt an, denn wir „überspringen“ Zentrallaos und fahren direkt in den Süden nach Pakse. Zum Trekking in Zentrallaos ist es einfach zu heiß. 36 Grad und es wird noch heißer…
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