Kategorie-Archiv: Fazit

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Ein Jahr vergeht wie ein Moment….

…. AND I THINK TO MYSELF WHAT A WONDERFUL WORLD

Nach 333 Tagen treten wir den Heimweg an. Wieder zu Hause, fühlen sich diese eher wie acht Wochen an. 333 Tage in denen wir unglaubliches in dieser wundervollen Welt mit ihren unfassbar dummen Menschen erleben durften. Mit „unfassbar dumm“ meine ich, dass wir Menschen es bisher immer noch nicht geschafft haben zu lernen, dass es friedliche Lösungen gibt. Dass der Fremde ein Freund ist, wie wir es so oft erlebt haben. Nein, wir Menschen brauchen die Anfeindung des Unbekannten, die Illusion in einer freien Welt zu Leben, den Krieg und die Schrecken, die er mit sich bringt.
Das Meiste unserer Reise ist für mich noch gar nicht fassbar. Schaue ich meine Fotos an, bin ich fasziniert von diesen Eindrücken, dann fällt mir ein, dass ich ja dort gewesen bin. Grundsätzlich kann ich sagen, oft war alles anders als erwartet. Hier der Versuch, es in Worte zu packen:

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Essen:
Eine von Olis Lieblingsbeschäftigungen, aber beim Karaoke ist selbst dies nebensächlich. Die asiatische Küche ist reich gedeckt, mal von der Mongolei abgesehen. Kulinarisch ganz oben stehen China, Vietnam und Indien. Als Vegetarier war das Essen nicht immer einfach, aber, wenn man ein bis zwei Augen zudrückt, geht es schon. Da halte ich es dann auch aus, dass das Essen mit chicken essence oder fishsauce gewürzt ist oder die Nudeln in der Suppe eben in Fleischbrühe schwimmen. Aber zum Glück ist damit jetzt wieder Schluss!
Und die Asiaten spinnen, überall kommt Zucker rein. Je weiter man nach Süden kommt, desto schlimmer. Sogar in frische Fruchtsäfte wird Zucker gekippt. Der Tee ist eigentlich Zuckerwasser, das den Teebeutel kurz gesehen hat. Im Essen ist Zucker, im Brot ist Zucker, alles ist so süß. Kein Wunder, dass die Inder im Diabetes-Ranking ganz vorne mit dabei sind.

Verhalten:
Grob gesagt, je weiter gen Süden man kommt, desto bedeckter kleiden sich die Leute. Grundsätzlich gilt für Frauen, Schultern und Knie sind zu bedecken. Gebadet wird im Sarong oder mit Klamotten. Nur in absoluten Touristengebieten kann man davon absehen. Männer sollten sich ordentlich kleiden. In manchen Regionen gelten lange Hosen als angemessen. Wobei insgesamt die Kleidungsvorschriften bei Frauen deutlich strenger sind als bei Männern.

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Körperkontakt zwischen Paaren ist nicht erwünscht, öffentliche Küsse sind tabu. Das höchste der Gefühle ist es, den Mann am Ellenbogen zu fassen, quasi als Händchen halten. Ausnahmen bilden die moderneren Metropolen. Dort sieht man hin und wieder junge Pärchen Händchen halten. Zwischen dem eigenen Geschlecht ist Körperkontakt erwünscht, vor allem die Männer kuscheln gerne aneinander, da wurde Oli auch nicht verschont. Asiaten sind eigentlich nie alleine und sie verstehen auch nicht, dass man mal seine Ruhe haben möchte. In der Gruppe fühlt man sich wohl und aufgehoben. Daher hat auch die Familie einen hohen Stellenwert, die Eltern sind bedingungslos respektiert. Die Kinder kümmern sich weitgehend liebevoll umeinader. Da nimmt dann auch mal der Dreijährige die Eineinhalbjährige an die Hand, um ohne Erwachsenenbegleitung an der Hauptstraße entlang zu laufen. Insgesamt wird Kindern sehr früh richtig viel Verantwortung für andere Kinder übertragen.
Die Länder, in denen wir waren, sind allesamt männerdominiert. Frauen wird in der Regel höflich begegnet. So steht Mann in der Metro oder im Bus auf, um einer Frau Platz zu machen.

Viel Leben findet auf dem Boden statt. Das heißt, dass beispielsweise das Essen auf dem Boden sitzend zu sich genommen wird. Oder auch, dass man in Werkstätten oder Läden keine Tische hat, sondern den Boden nutzt. In der Regel werden die Schuhe vor der Türe ausgezogen, das gilt auch in vielen Läden.

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Uns begegnet viel Toleranz, oft sichtbar darin, dass Religionen friedlich nebeneinander existieren können. Die Nepalesen sind Meister darin, die verschiedensten Einflüsse in ihre Kultur zu integrieren. Oft lässt sich in den Ländern eine Verbindung zum Spirituellen spüren und finden.
Patriotismus begegnet uns oft, der Stolz auf sein Land verbunden mit der Bereitschaft dafür zu kämpfen, irritiert und befremdet mich immer wieder. Andererseits besteht überhaupt kein Umweltbewusstsein. Müll wird achtlos überall hingeworfen wo man ist. Egal ob im Zug, auf dem Boden oder zum Fenster raus oder auf dem Boot über die Reeling. Produkte sind oft doppelt verpackt (Kekse in der Verpackung nochmal einzeln verpackt, Schokolade nochmal in extra Aluminumpapier). Da ist es noch ein langer Weg um der weltweiten Vermüllung entgegenwirken zu können. Aber wir haben es ja schließlich auch vor nicht all zu langer Zeit gelernt.

Oft fühlt es sich an, als ob wir unglaublich berühmt wären. Uns wird zugewunken, wir posieren auf tausenden von Fotos, so als ob wir beste Freunde wären. Einen Westler zu kennen oder gar mit ihm befreundet zu sein, gilt als Statussymbol. Schön, wenn es andersrum bei uns auch so wäre. Oft werden wir mit sister/brother, uncle/aunti angeredet. Zunächst gewöhnungsbedürftig. Allerdings geht es dabei in den meisten Ländern nicht um die Nähe einer Beziehung wie bei uns, sondern um die Respektsebene.

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Grundsätzlich sind die Menschen sehr gelassen, die Laoten sind hier die Könige der Ruhe und Gelassenheit. Da heißt es einfach, sich anpassen, was uns nicht sonderlich schwer fällt. Dennoch fällt es den meisten Asiaten an sich schwer sich irgendwo geordent anzustellen, die Knäuelbildung wird oft bevorzugt. In China wird das Ganze mit dem regen Einsatz der Ellenbogen unterstützt. Hin und wieder gibt es natürlich Ausnahmen. Zudem wird Musik überall sehr geschätzt. Oft gilt die Regel, Hauptsache laut. Hier bilden die Indonesier eine Ausnahme, sie machen laut Musik, aber können meistens richtig gut singen. Amüsant für mich ist zudem, dass alles, was mehr als 500 Meter weit weg ist, „too far!“ ist. Dieser Bewegungsfaulheit steht der Hang zur sportlichen Betätigung entgegen. Sei es beim Volleyball, Tanzen, work out an „Spielplätzen“, Fußball-Tennis oder Cricket. Wer keinen Sport macht, spielt (zumeist Männer) Karten, Majong, Würfel….

Das was wir unter Haus- und Nutztieren verstehen, läuft in der Regel frei durch die Gegend und der Verkehr versucht, weitgehend Rücksicht zunehmen. Die Hähne sind die mit Abstand dümmsten Tiere, die uns begegnen. Sie krähen nicht im Morgengrauen, um den Tag zu beginnen, sie krähen sobald sie ein Auge aufmachen. Da kann man Mordgelüste bekommen. Auch was bei uns als Zimmerpflanze gilt, wächst hier einfach im Wald.
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Auch sehr krass ist, dass es fast überall Wifi gibt. Es gibt zwar keinen Strom, aber Wifi auf 4.200 Metern. Extrem viele Menschen besitzen ein Handy oder Smartphone, der Trend geht zu zwei Geräten. Permanent befindet man sich online. Es ist völlig normal, sich nebenher, also auch im Gespräch, mit dem Handy zu beschäftigen. Auch hat der Kapitalismus überall Einzug gehalten. Bekannte Mode- und Fastfoodketten lassen sich überall finden und verdrängen die kleinen, angestammten Läden.

Zudem haben die Asiaten in den heißen Gegenden einen Vollschaden, was die Betreibung ihrer Klimaanlagen angeht. Man wird regelmäßig schockgefrostet, da kann man doch nur eine Erkältung bekommen. Vermutlich hilft das beim hellhäutig bleiben. Hier gilt nämlich helle Haut als schick, daher gibt es alle möglichen Produkte mit whitening effect. Daher sind die Asiaten ja auch so irritiert, dass wir braun werden wollen.

Verkehr/Verkehrsmittel:
Gefühlt wurde der Verkehr von Land zu Land verrückter. Aber nach Indien, war alles viel entspannter. Nur noch die thailändischen Tuktukfahrer konnten uns schrecken, da sie mit ihren klapprigen Kisten soo schnell unterwegs waren. Schnell heißt allerdings so an die 50 km/h. Ansonsten ist der asiatische Verkehr, vor allem in den Städten, eher gemächlich und es war für uns kein Problem, uns auch auf dem Roller in diesem zurecht zu finden.
Das Motorrad/der Roller ist das Haupttransportmittel. Auf diesem wird alles befördert, vom lebenden, ausgewachsenen Schwein über Glasscheiben, Kranke mit Infusion im Arm bis hin zur sechsköpfigen Familie. Was nicht auf das Moped passt, wird im Bus transportiert. Kinder fahren, sobald sie die Füße auf den Boden bringen.

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Jedes Verkehrsmittel, das wir nutzen, hat seine Besonderheit, vor allem im Bezug auf die Geschwindigkeit. Flugzeug = extrem schnell irgendwo ankommen. Zumindest der Körper, ob der Kopf im selben Tempo mitkommt, ist fraglich. Alle anderen Reisearten sind meiner Ansicht nach zu bevorzugen, wenn man ein Land und vor allem die Menschen dort kennen lernen will. Wie kann man das besser als in überfüllten Zügen oder Bussen? Die langsamste Art des Reisens ist natürlich zu Fuß, was je nach Landschaft auf alle Fälle nicht zu verachten ist, genau wie die Bootsvariante.

Mitreisende/Touristen:
Der Traveller an sich wirkt in der Regel wie ein Elefant im Porzellanladen. Die wenigsten beschäftigen sich mit der Kultur, dem Land in dem sie sich bewegen. Uns begegnen viele respektlose oder naive? Reisende, die mittags mit der Pulle Bier in der Hand durch die Straßen eiern (Einheimische trinken nur in privaten Räumen oder in Restaurants/Kneipen), die nicht wissen, wie man sich in den meisten asiatischen Ländern kleidet und dabei spielt das Alter oder die Bildung überhaupt keine Rolle. Man kann sich auch unmöglich anziehen, wenn man gerade ein Auslandssemester auf Bali macht und Kultur zum Schwerpunkt hat. Zu sehen gibt es viele schulterfreie Shirts, Shirts die den Blick auf BH und Bauch frei geben oder oben ohne am Strand in Indien („warum werde ich nur so begafft???“). Zudem sehen Hotpants einfach an den wenigsten Frauen gut aus. Aber auch die männlichen Reisenden haben nicht den besten Kleidungsstil. Zerrissene, dreckige Klamotten kommen einfach nicht gut an.

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Besonders ätzend ist die Gattung „ich war schon überall, weiß wie alles läuft und hab an allem was rumzumeckern“ oder „da ist es genau so und nicht anders – nee, kann ich mir nicht vorstellen, dass es euch dort gefallen hat“ oder „Ja, das hab ich auch schon abgehakt.“ (V.a. Kurzzeitreisende in Südostasien). Warum reisen diese Menschen??? Um viel auf Facebook zu posten?
Eine besondere Erwähnung haben sich die Franzosen verdient. Egal wo, in der Regel wird man mit Bonjour gegrüßt und als erstes gefragt: „Parlez-vous francais?“. Sagt man dann auf Englisch „ja, ein wenig“, sprechen sie zum Teil für Franzosen ein richtig gutes englisch.

Statistik:
333 Tage unterwegs
148 unterschiedliche Schlafplätze
24 Schiffe
2 Boote mit eigener Muskelkraft betrieben, ingesamt ca. 200km
55 Busse
17 Minibusse/Auto
30 Züge
8 Fahrräder, davon 2 Ebikes
2 Pferde
2 Kamele
2 Dromedare
2 Elefanten
13 Roller
leider wurden es dann doch 10 Flugzeuge
Zu Fuß in den Bergen ca. 100 km und unzählige in den Städten
Ungezählte Tuktuks, Taxis, Metros (Großstädte funkionieren alle gleich), Rikshas, Ojeks und andere Fortbewegungsmittel

Leider hat sich die Datei gelöscht, in der Oli unsere Reisekilometer aufgeschrieben hat. Daher als Schätzung ca. 74 397 km
An die 30 000 Euro Ausgaben
Gefühlt hunderte Unesco Weltkulturerbestätten
Am Ende drei volle Reisetaschen und zwei volle Rucksäcke (Souvenirs sind super!)

Dreimal Magen/Darm
Dreimal Darm
Zweimal Grippe
Einmal Mittelohrentzündung
Möglicherweise ein bis zweimal Amöben
Dreimal Gehörgangsentzündung
Einmal eingedellte Trommelfelle
Einmal Aduktoren
Fünfmal Erkältung
Dreimal Karaoke
Viermal Besuch
21 Massagen
34796 Aufrufe unseres Blogs von 5116 Besuchern aus 25 Ländern

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Soziales:
Die Sozialsysteme in den besuchten Länder sind sehr unterschiedlich. Generell leben wir im Versorgungsparadis. Angefangen vom Kindergeld über Hartz IV bis hin zu 30 Tage Urlaub plus 14 Feiertage, die fünf Tage Woche nicht zu vergessen. Die meisten Asiaten arbeiten sechs oder sieben Tage und haben neben den Feiertagen (oft nicht mehr als 10), zehn Tage Urlaub. Wer ein Kind bekommt, bekommt keine Leistungen, wer krank ist, muss selbst zahlen, wer dies nicht kann wird nicht behandelt. Wer behindert ist und keine gut verdienende Familie hat, die sich einen Rollstuhl leisten kann, kriecht, zumindest in Indien, auf dem Boden. Armut begegnet uns in allen Ländern. In Gebieten, in denen es Touristen gibt, besonders heftig. In Nepal gibt es eine groß angelgte Kampane, die verkündet, dass es egoistisch ist, Kindern auf der Straße Geld oder Essen zu geben. Dies hält die Kinder nur auf der Straße, sie gehen nicht in die Schule, Hilfsorganisationen kommen nicht an sie ran, sie bleiben im Dreck und der Kriminalität der Straße, auch wenn sie erwachsen werden. Apropos Nepal: dem Land geht es nach den immernoch andauernden Erdbeben und der nun eingesetzten Regenzeit extrem schlecht. Wer noch nicht gespendet hat, kann dies bei www.waisenkind.de immer noch tun.
Im krassen Gegensatz zu der Armut die uns in Städten und auf dem Land begegenen stehen die Deutschen. Wir werfen 313 kg Lebensmittel in der Sekunde weg.

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Überall ist uns eine unglaubliche Offenheit und Freundlichkeit begegnet. Egal ob in Sibirien, in Großstädten oder irgendwo auf dem Land, wo wir planlos durch Felder geeiert sind. Da habe ich mir immer gerne vorgestellt, wie es wohl wäre, wenn ein paar Chinesen oder Inder uff dr Alb durch em Bäuerle seim Acker glaufe wäred odr ind Fabrik nei gschneid wäred. Ob ihnen dort auch freundlich der Weg gezeigt worden wäre oder sie eine Fabrikführung bekommen hätten, wage ich zu bezweifeln.

Alles in allem kann ich sagen: Reisen lohnt sich, zumindest, wenn man offen ist für andere Kulturen und sich Zeit nimmt, diese kennenzulernen. Deutlich wurde dies vor allem durch unsere Kurztrips durch Kambodscha, Thailand und Malaysia. Über diese Länder kann ich nichts sagen, da wir viel zu kurz und nur an Touristenorten waren. Meist finden wir Touristen eh alles hübsch und faszinierend, was die Menschen oft als harten Alltag und Kampf ums Überleben kennen.

„Es ist ganz nett umherzureisen, zu beobachten, folklorische und kuriose Dinge zu sehen und neue Erfahrungen zu sammeln. Aber vielleicht wäre es auch ganz interessant zurückzudenken. Wenn man sich erinnern will, darf man eines nicht vergessen: Man muss irgendeinen Ort aufsuchen, an dem man sich erinnern kann. Es kommt darauf an, die Reise irgendwann zu beenden.
Warum geht man fort? Damit man zurückkehren kann, um den Ort, den man verlassen hat, mit neuen Augen und zusätzlichen Farben zu sehen. Und auch die Menschen dort sehen einen anders. Dorthin zurückzukehren, wo man begonnen hat, ist nicht das Gleiche, wie niemals zu gehen.“(Terry Pratchett)

Wir Danken Dir, dass du uns nun ein Jahr, zumindest in Gedanken begleitet hast und freuen uns Dich bald wieder zu sehen (sofern wir uns schon kennen;)) Was ab jetzt in unserem Leben passiert gibt es wieder nur direkt von uns.
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Du, Du allein kannst mich verstehen

Der Titel hat diesmal nichts mit meinen Eindrücken von Indonesien zu tun, da wären mal wieder Textzeilen wie island in the sun, hey (there) Mister Mister oder sing, sing, sing passender gewesen. Aber die Indonesier lieben Karaoke, nicht nur im KTV, sondern auch auf Booten mit fetten Boxen (leider direkt neben meinem Kopf). Auch wir werden in diverse Karaokeschuppen gezerrt, sehr zur Freude Olis. Und wir müssen deutsch singen. Und was gibt es da zur Auswahl? An deutschem Liedgut lässt sich wenig finden, letztendlich gibt es ein deutsches Lied, den Kassenschlager schlechthin: „Du“ von Peter Maffay:)

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Der Inselstaat ist viel größer als wir es uns vorgestellt haben. Daher haben wir auch die Entfernungen hier unterschätzt. Mit 240 Millionen Einwohnern ist Indonesien die viertgrößte Population der Welt und die braucht auch Platz. Indonesien hat hunderte von Inseln und mindestens genau so viele unterschiedliche Stämme. Daher ist jede Insel anders. Wir lernen nur ganz kleine Teile kennen. Um wirklich einen Einblick von Indonesien zu bekommen, muss man vermutlich ein Jahr lang nur hier herumreisen, machen wir das nächste Mal. Was, glaube ich, aber für alle Indonesier gilt ist, ihre herzliche Freundlichkeit, die Freude am Lachen, irgendwie eine kindliche Unschuld, der Spaß an Musik, v.a. am Singen, egal wo, ihre Neugier und ihre Gastfreundschaft und die damit verbundene Neigung, einen mit Geschenken zu überhäufen. Letzeres beschämt uns fast. Wir bekommen hier so viel Herzlichkeit, Zeit und Aufmerksamkeit und dann werden wir noch mit kostbaren Geschenken überhäuft. Sich dagegen zu wehren ist zwecklos. Die spinnen einfach, die Indonesier und dann entschuldigen sie sich, dass sie uns nicht mehr geben können, als ein Hotelzimmer zu bezahlen oder Silberringe. Mittlerweile sind unsere Rucksäcke jeweils fünf Kilo schwerer geworden…..

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Auf Flores sind wir hauptsächlich typische Urlaubstouristen. Da wir einen Tauchkurs machen und Oli kränkelt, sind wir nur in Labuan Bajo und sehen ganz wenig von der Insel. Hier haben wir den Eindruck, dass hinter jedem Unternehmen ein Westler steht (in Wakatobi ist es etwas anders). Die kurzen Ausflüge ins Inselinnere sind sehr schön. Man hat das Gefühl, dass die Leute wenig Touristen auf Rollern sehen, sogar so nahe an der Touristenhochburg. Uns wird zugewunken und die Kinder wollen sich mit uns abklatschen. Das fitzt ganz schön, so beim Fahren. Flores ist weitgehend katholisch, daher wird am Sonntag wohl viel Arak getrunken. Sulawesi ist muslimischer, daher gibt es hier sehr wenig Alkohol. Auf Sulawesi sind wir eigentlich nur in Kendari und auf ein paar angrenzenden Inseln, daher auch ein eher bescheidener Einblick, dafür wunderschön.

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Da wir in Indonesien die eine oder andere Ärztin besuchen, lernen wir das Konzept „Arztpraxis in Apotheke“ kennen. Sehr praktisch. Zudem arbeiten die Ärzte hier häufig in der Klinik und betreuen am Nachmittag und Abend unterschiedliche Praxen, in denen sie dann jeweils für ein bis zwei Stunden sind. Oder in Kendari erheblich länger, z.T. bis mitten in die Nacht. Und in so mancher Arztpraxis und Apotheke gibt es ein Photoshooting – we are famous again.

In Indonesien erhalten wir auch einen kleinen Einblick in die fantastische Unterwasserwelt. Unglaublich was es da alles an abgefahrenen Formen und Farben gibt. Und die Tiere sind im Gegensatz zu den meisten Landtieren nicht sonderlich scheu, „rennen“ also nicht gleich weg. Das raubt einem förmlich den Atem und daher haben unsere Dive Masters immer mehr Luft übrig als wir. Wir müssen mehr üben! Allerdings zeigt sich auch, dass wir Weicheier sind und unsere Ohren Schwierigkeiten mit dem Druck da unten haben. Dafür bereiten wir uns schon darauf vor alt und schwerhörig zu werden, sehr amüsant – Hä? Wie bitte? Was?

Die Kleidung, bzw. was man anzieht hat hier wesentlich mehr Bedeutung als bei uns. So sieht man beispielsweise in Kendari fast niemanden mit kurzen Hosen, auf den kleinen Inseln hingegen schon. Auch sind die Schultern der Frauen grundsätzlich bedeckt. Baden gehen alle mit ihren kompletten Klamotten. Badebekleidung gibt es eigentlich nicht und nur die Kinder dürfen Haut zeigen, und natürlich die Männer ihren Oberkörper. A propos. Indonesien ist wieder ein „Plauze-raus“ Land. D.h. T-Shirt einmal nach oben klappen und Plauze der Sonne zeigen.

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Im Vorfeld habe ich gelesen, dass die Indonesier im Schnitt neun Stunden am Tag in einen Bildschirm starren, da habe ich mich natürlich gefragt, wie das denn sein kann. Jetzt weiß ich es. Die Lösung liegt bei den Handys und den vielen TVs überall (Kantor Imigrasi, Pete Pete, Cafés, Restaurants,….) Die meisten Indonesier haben nicht nur ein Mobiltelefon, sondern zwei bis drei. Dafür haben andere in ärmeren Dörfern keines, die haben ja auch kein Strom, da braucht man sowas nicht…
Eine krasse Besonderheit für uns war zu dem, dass wir in Indonesien für unsere Verhältnisse unglaublich viel geflogen sind. Zeitmangel und Krankheit haben diesen Umstand leider begünstigt.

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Ich bin sehr dankbar für die wundervollen Menschen, die wir hier besucht haben und mal wieder völlig überwältigt von dieser Mentalität, nicht nur der des Schenkens. Wenn man sich beispielsweise zur Begrüßung die Hand gibt führt man anschließend die eigene Hand kurz ans Herz, um zu verdeutlichen, dass man von Herzen gegrüßt wird. Kinder behalten die Hand des Erwachsenen in ihrer und führen diese mit einer leichten Verbeugung an ihre Stirn.
Mal schauen, wann es das nächste Wiedersehen gibt.
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Probiers mal mit Gemütlichkeit

Und das tun wir vom ersten Tag an bis zum letzten in Laos. Zu Beginn lernen wir gleich die Trinkkultur bei Feierlichkeiten kennen. Beerlao ist das einzige laotische Bier und sogar trinkbar. Bei Festen halten sich die Frauen ans Bier, die Männer an den Lao Lao (Reiswhisky). In der Regel wird auf Ex getrunken. Der Kasten Bier steht unterm Tisch (auch, wenn man außer Haus feiert ist immer mindestens ein Kasten dabei, auch wenn man nur zu zweit ist), es wird in ein 150 ml Glas eingeschenkt und da man die Massen an Bier mangels Kühlschränken nicht kühlen kann, kommen Eiswürfel dazu. Dann zuprosten und weg damit, nächste Runde. Was für ein Glück, dass wir am Frauentisch saßen. An Pi Mai wird das genauso zelebriert, nur fängt man da bereits am Vormittag an.
Beerlao ist gefühlt der Hauptsponsor für jedes Restaurant, Café oder Übernachtungsdomizil, fast vor jedem prangt ein Beerlaoschild mit dem Namen des Etablissements.

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Die orange gekleideten Mönche sieht man hier wieder häufiger, da es fast überall Klöster gibt, auch in eher kleineren Dörfern. Die meisten sprechen ein sehr gutes Englisch. Zudem sind die Laoten noch etwas spiritueller als die Vietnamesen. Die Altäre für die Geister sind häugfiger sichtbar, auch beispielsweise an großen Bäumen oder Wasserfällen. Laoten scheinen, Fussballtrikots zu lieben. Es gibt sie in allen möglichen kreativen Varianten und gefühlt trägt jeder 3. eines davon.

Die Laoten sind unglaublich entspannt, sie können immer und überall schlafen (z.B. auf dem Markt, wenn sie eigentlich was verkaufen sollen), hängen gerne in der Hängematte und lassen alles mit Ruhe angehen. Dem gegenüber stehen die jungen zielstrebigen Laoten, die wir kennenlernen durften. Sie kommen mit 15 oder16 aus ihrem Dorf in die Stadt, um Englisch zu lernen und somit eine bessere Zukunft zu haben. Sie suchen den Kontakt zu Touristen, um ihre Sprachfertigkeiten zu trainieren und auszubauen. Ein 16-jähriger, der in einer Kneipe arbeitet und seinem Chef erzählt er sei 18, geht 6 Tage die Woche in die Schule, dann arbeiten, um sich die Schule und zusätzliche Stunden in Englisch zu finanzieren. Sonntags hat er Englischkurs und arbeitet oder übt mit Touristen. Er hat vor 5 Monaten angefangen die Sprache zu lernen und spricht fast fließend. Sehr beeindruckend. Auch ist er einer der jungen Laoten, der Big Brother Mouse (siehe „In the summertime“) zu Gute kommt. Zusätzlich lernt man dann noch Chinesisch und Französisch nebenher.

Oft wirkt der Gesichtsausdruck der Laoten verschlossen. Vor allem Mädchen und Frauen schauen sehr ernst. Lächelt man sie allerdings an, so geht ein herzerwärmendes Strahlen über das Gesicht, was einen förmlich überflutet und einen dieses Volk sofort ins Herz schließen lässt. Apropos Volk. Laos besteht aus drei großen Volksstämmen. Den Khmer, Tai und Hmong. Jeder der Stämme hat seine eigene Geschichte und Kultur und wir werden oft darauf hingewiesen, welchem Volksstamm der Gesprächspartner angehört. In den Dörfern sieht man noch oft die traditionelle Bauweise der Häuser. Diese stehen auf Stelzen und die Wände sind aus Holz oder meist aus Bambusmatten. Mittlerweile sieht man aber auch immer mehr Häuser aus Stein bzw. es werden viele neu gebaut.

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Der Wohlstand hält irgendwie Einzug. Wie und woher haben wir nicht herausgefunden. Deutlich ist nur, dass es viele fette Autos gibt, vorzugsweise SUVs oder Pick Ups. Letztere sind für Pi Mai außerordentlich wichtig, zum cruisen und für die Wasserschlachten.
Der Regierung sind die zum Teil entlegenen Dörfer ein Dorn im Auge. Daher wird zwangsumgesiedelt. Bis vor kurzem gab es keine Entschädigung für die betroffenen Familien. Anfangs des Jahrtausends wurde der Opiumanbau verboten, viele Bauern standen vor dem Abgrund und sie mussten in die Städte umsiedeln. Findet heutzutage die Umsiedlung aufgrund eines Dammprojektes statt, so wird kurzerhand ein Retortendorf gebaut. Die Dammprojekte verändern das Land, das Leben der Fischer. Vor allem Thailand und China sind die großen Investoren und Profiteure dieser Anlagen. Und der große Bruder China kümmert sich natürlich völlig uneigennützig um den kleinen Bruder Laos. Ganz anders der Westen, der fordert für die Entwicklungshilfe tatsächliche Weiterentwicklung. China ist das egal, Hauptsache es gibt Profit.
Schon in früheren Zeiten gab es ausländische Einflüsse, noch deutlich sichtbar sind die der Franzosen (Französische Beschriftungen auf Gebäuden, Liebe zu Pétanque und Baguette). Zudem gibt es auch richtig viele französische Touristen, die einen zur Begrüßung immer auf französisch ansprechen. Entweder Boujour oder Parlez-vous français? Komisches Volk.

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Apropos Touristen. Die gibt es seit Vietnam im Schnitt viel mehr als bisher auf unserer Reise – gewöhnungsbedürftig. V.a. da einige nicht wissen (wollen) wie man sich in einem asiatischen Land benimmt bzw. kleidet. Da könnt ich mich aufregen. Wer hat eigentlich behauptet, dass Hotpants oder Muskelshirts (heißen die so?) immer angemessen sind und gut aussehen?!? Auffallend ist, dass man immer wieder die selben Leute trifft, was hin und wieder sehr erfreulich ist.

In Laos begegnet uns zum ersten Mal dauerhafte Hitze. Die meisten Felder liegen brach, sind braun und ausgetrocknet oder frisch abgefackelt. Auffallend ist auch, dass fast alle Hänge bewirtschaftet sind, oft mit Monokulturwäldern. Allerdings blühen sehr viele Bäume, die Nationalblüte Champa ist oft zu bewundern. Auffallend ist, dass den Katzen die Schwänze gebrochen und/oder abgeschnitten werden. Warum? Keine Ahnung.
Der Indochina Krieg fällt einem nicht überall auf die Füße wie in Vietnam. Allenfalls in Kriegskunst mit den alten Bombenhülsen oder in Form von Schmuck oder Besteck, die aus dem Metall hergestellt werden. Dennoch wurde dieses Land ebenfalls heftig bombadiert, da der berüchtigte Ho Chi Minh Pfad sich auch im Süden durch das Land schlängelt. Hier sollte man auf keinen Fall ausgetretene Pfade verlassen, denn es gibt noch viele Tonnen von Blindgängern im Dschungel.

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Auferstanden aus Ruinen

… und der Zukunft zugewandt. Trotz des unglaublich heftigen und vernichtenden letzten Krieges oder vielleicht gerade deswegen noch umsomehr, ist Vietnam ein stolzes und aufstrebendes Land. Überall sind Flaggen zu sehen, vermutlich nicht nur wegen des Jahreswechsels. Besonders an der Grenze zu China ist kein Schiff ohne mindestens zwei bis drei Flaggen zu finden. Den Vietnamesen ist die Familie und die Gemeinschaft heilig und diese wird zur Not mit allem verteidigt, was man hat. Vietnam wurde in seiner Geschichte oft Jahrhunderte lang besetzt, doch keiner dieser Mächte wollte sich das Volk beugen. Schon immer pflegten die Menschen einen gesunden Widerwillen gegen fremde Mächte. Erstaulich, da hier viele unterschiedliche Volksgruppen leben.
Das Land ist erst seit 1975 vereinigt und man merkt noch deutlich den Unterschied zwischen Nord und Süd. Der Norden ist weniger westlich geprägt als der Süden, hier merkt man hingegen den chinesischen Einfluss. Ein junger Vietnamese erklärte uns, dass 90% der Vietnamesen die Chinesen hassen, da diese das Land so lange besetzt hatten. Auf die Frage, wie es mit den Amerikanern sei, schnaubte er nur, vermutlich da mehr Amis als Chinesen in dem Guesthouse absteigen, in dem er arbeitet und er daher mal lieber nichts Falsches sagt. Unser Höhlenguide erklärte, dass er froh sei, dass die USA sich an dem Auffinden und Entschärfen der Blindgänger beteilige und generell niemand mehr etwas gegen Amerikaner habe. Andererseits entschädigt die USA ihre eigenen Soldaten, die unter den Giftangriffen leiden, Vietnam bekommt nichts. Jegliche Klagen wurden abgeschmettert. Nach wie vor sind die Spuren des Krieges zu sehen, sei es durch Bombenkrater, oder dem Wissen, dass noch in weiten Teilen des Landes viel Gift im Boden ist.

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Vietnam ist das erste Land, in das wir einfliegen und einen „Kulturschock“ der anderen Art haben. Wir verbringen die ersten Tage in einer, hier in Vietnam, reich geltenden Familie mit Rundumsorglospaket. Daher lernen wir das „echte“ Vietnam erst später kennen. Was bereits zu Beginn auf uns wartet, ist wieder mal ein eindrückliches Verkehrschaos. Wenn man sich allerdings mit dem Moped selbst ins Getümmel befördert, ist es nicht mehr ganz so heftig. Eine Besonderheit am vietnamesischen Verkehr ist, dass einem immer jemand entgegen der Fahrtrichtung entgegenkommen kann, egal ob auf der vollgestopften vierspurigen Straße oder dem Feldweg. Auch auf Gehwegen ist man nicht sicher, denn wenn die Straße zu voll ist, wird dieser mitbenutzt. Auch fällt gleich auf, dass die Vietnamesen diese runden spitzen Hüte lieben, die man sofort mit Asien in Verbindung bringt. Hin und wieder dienen sie auch als Helmersatz. Zudem hängen die Menschen hier gerne in Hängematten rum, egal ob bei der Arbeit (Nationalparkwächter) oder einfach so vor dem Haus.

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Grundsätzlich begegnen uns wieder super freundliche, offene und hilfsbereite Menschen, völlig egal, ob wir die selbe Sprache sprechen, oder nicht. Ob man uns mit dem Moped vorrausfährt oder uns eine Quallenschlachterei erklärt, zum Karaoke ins Wohnzimmer einlädt oder einfach nur gemeinsam eingepfercht in einem Transportmittel steckt, ist alles entspannt. Vielleicht trägt hier der „Kaffeekurzvorherzstillstand“ dazubei. Der typisch vietnamesische Kaffee ist saustark und mit süßer Kondensmilch und Eiswürfeln ausgesprochen lecker, da trinkt sogar Oli mit.

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A propos Karaoke, dieser Leidenschaft wird hier lautstark und öffentlich gefröhnt, natürlich ist es völlig egal, ob man singen kann oder nicht. Am Wochenende kann schon mal aus jedem dritten Haus die Musik schallen und auch, dass eine Familie am Sonntagabend bis weit nach zehn das komplette Dorf beschallt, scheint niemanden zu stören. Das Leben findet meist öffentlich statt, da der Wohnbereich oft auch den Laden beinhaltet. Manchmal ist auch der Schlafplatz dort integriert.
Hin und wieder fallen mir Frauen auf, die ihren kompletten Körper bedecken, also nicht nur langärmlige Sachen tragen, sondern auch Handschuhe und Socken bei 30 Grad anhaben. Dies rührt daher, dass hellhäutig ein Zeichen von Wohlstand ist, man muss nicht auf dem Feld arbeiten. Männer, die dies zeigen wollen, tragen lange Fingernägel. Am Abend sieht man hin und wieder (ältere) Menschen, die im Schlafanzug auf der Straße unterwegs sind.
Vienamesen scheinen Bonsais zu lieben. Überall sieht man wunderschöne Bäumchen stehen, oft auch neben ihren großen Geschwistern. Und sie stehen nicht nur auf kleine Bäumchen, sondern auch auf kleine Stühlchen und Tischchen, zu finden in jedem Café oder Straßenrestaurant. Da freut sich der Oli und faltet sich auf dem Stühlchen zusammen.

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Der Glaube an die Geisterwelt und die Verehrung der Ahnen ist tief verwurzelt. In jedem Haus steht mindestens ein Altar, in manchen drei. Einer zur Ahnenverehrung und deren Gedenken, (manchmal in diesen integriert) der zu Ehrung des Erd- bzw. Hausgeistes und einer für den Küchengeist. Letzterer befindet sich natürlich erhöht in der Küche. Es werden grundsätzlich praktische Dinge geopfert, die die Verstorbenen benötigen um nicht Hunger oder Durst zu leiden. Also: Cola, Red Bull, Bier, Schnaps, Zigaretten, Obst und zu den Todestagen auch andere Speisen. Nach einer angemessenen Zeit werden die Lebensmittel wieder entfernt und verzehrt. Zum Tet Fest, was hier das Neujahrsfest ist, gibt es tagelang viel Essen und viel Alkohol. Das Land bereitet sich wochenlang darauf vor und die Preise steigen immer mehr. Traditionell wird vieles mit Blumen, überwiegend gelben, geschmückt und am Neujahrstag selbst ist es wichtig, sich an einige Gepflogenheiten zu halten (zumindest, wenn man davon weiß). So sollte man z.B. nicht die Farben weiß, schwarz oder grau tragen. Auch ist wichtig, wer als erster im neuen Jahr zu Besuch kommt oder wie das erste Geschäft verläuft, bzw. einfach alles ist wegweisend für das komplette Jahr, daher versucht man dies weitmöglichst positiv zu beeinflussen.

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Verdammt ich lieb dich, ich lieb dich nicht

„Entweder man hasst Indien oder man liebt es“, habe ich im Vorfeld oft zu hören bekommen. Nur ist es nicht ganz so einfach. Indien ist nochmals sehr viel anders als die bisher von uns bereisten Länder. Das Warum ist schwierig zu beantworten. Was gleich zu Beginn auffällt, ist der viele Müll, der überall herumliegt. Müll landet auf der Straße und somit früher oder später überall. Dies ist für Inder völlig normal. Es gibt nur eine unzureichende Müllentsorgung und zudem wenig öffentliche Toiletten. Daher gehört das Bild eines wild pinkelndes Mannes auch zu Indien. In den größeren Städten wird versucht, mittels Urinalen dem entgegen zu wirken, aber wenn Mann muss, ist das nächste Urinal evtl. 300m zu weit weg und Gewohnheit ist eben Gewohnheit. Dem entgegen steht die körperliche Reinlichkeit der Inder. Sofern sie die Möglichkeit haben, waschen sie sich täglich ausgiebig mit viel Seife, und die Frauen natürlich voll bekleidet, da das ganze in der Öffentlichkeit stattfindet. Frauen sind generell sehr farbenprächtig gekleidet, sind aber nach wie vor wenig im öffentlichen Leben anzutreffen. Dies ist von Männern dominiert, trotz politischer weiblicher Führungskräfte, die akzeptiert und verehrt werden (z.B.Indira Gandhi). Männer sind sehr körperbetont, dass heißt, sie kuscheln gern miteinander und sind untereinander sehr „touchi“. Grundsätzlich ist das Leben als Frau, zumindest nach unseren Maßstäben, glaube ich, schwierig. Übergriffe sind an der Tagesordnung, da helfen spezielle Wagen für Frauen in der Metro auch nicht wirklich.

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Indien ist nicht nur gespickt mit Müll, sondern auch sehr staubig und in den Städten voller Abgase. Hinzu kommt ein ohrenbetäubender Lärm (die Hupe ist das wichtigste Teil eines Fahrzeuges). Dies hält die Tierwelt aber nicht davon ab, Städte zu bevölkern: Streifenhörnchen, Milane, Geier, Kingfisher, Affen und Papageien gehören zu den Standard-Stadttieren. Und bei uns wird ein Drama gemacht, wenn durch ein Windrad der Milan gestört werden könnte…

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Apropos Verkehr, es scheint das pure Chaos zu herrschen, Ampeln, Fahrtrichtungen und andere Verkehrsregeln werden ignoriert. Ab und an kommt es zum absoluten Stillstand auf einer Kreuzung, der sich wie durch Zauberhand innerhalb von drei Minuten wieder lösen kann. Wir bekommen immer wieder erzählt, dass man beim Fahren drei Dinge benötigt: good horn, good breaks and good luck.
Zug fahren ist ein Erlebnis für sich. Grundsätzlich verspätet, dafür gibt es ein permanentes Angebot an Getränken und Essen. Reist man in den günstigeren Klassen, sind die Waggons generell vollgestopft, dafür ist es sehr gesellig. Die Türen sind in der Regel offen, sehr praktisch für verspätetes Einsteigen;) und Leute sitzen, stehen oder liegen auch in den Zwischenabteilen mit unfassbar viel Gepäck rum. Der Müll landet auf dem Boden oder fliegt aus dem Fenster. In ersterem Fall kriechen Kinder oder verkrüppelte Menschen über den Boden und machen ihn für ein paar Münzen sauber.

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In Indien ist nicht nur Armut sichtbar, sondern auch Elend. Menschen, die auf der Straße leben, inkl. ganzer Familien mit kleinen Kindern. Kinder, die an Kreuzungen betteln mit toten Augen. Verkrüppelte Bettler, die zum Teil mit offenen Wunden durch den Dreck kriechen. Dem entgegen stehen die Reichenviertel mit 24h Bewachung (inkl. mit Spiegel unter die Autos schauen), um unbefugtes Eindringen zu verhindern.

Wir lernen Menschen kennen, denen das Kastensystem nichts bedeutet, die aber darin gefangen sind. Das System ist über 3000 Jahre alt und offiziell seit ca. 100 Jahren aufgehoben. Ein Tuktuk-Fahrer berichtet, dass er schlechte Chancen hat, ein Guide zu werden, er ist in einer höheren Kaste. Die Regierung fördert die niederen Kasten um die Herabsetzung dieser in der Vergangenheit etwas auszugleichen. Unser Hostelbesitzer in Bikaner macht gerade seinen Doktor in Zoologie, seine Frau hat einen Master in Chemie. Er bekommt die Stelle, für die er qualifiziert ist nicht, zu niedrige Kaste. Der, der sie hat, gehört der richtigen Kaste an, hat aber keine Ahnung. Seine Frau könnte in ihrem Beruf in der Stadt arbeiten, das geht aber nicht, da dies ein schlechtes Licht auf die Familie werfen würde. Also steht sie in der Küche und er fährt mit Touristen in die Wüste und erklärt die Pflanzen. Sein Vater (sind immer die unangefochtenen Instanzen in der Familie) sagte ihm, er könne sein Glück in einer anderen Stadt versuchen. Hierzu sieht er sich allerdings nicht in der Lage. Er ist der einzige Sohn, muss sich um die Großfamilie kümmern, die traditionelle Verantwortung ist stärker. Die meisten Inder leben noch in dem Kastenbewusstsein, im vollen Vertrauen auf einen gerechten Gott ertragen sie ihr Schicksal. Irritierend ist, dass wir oft von Höherkastigen vor den Niedrigkastigen gewarnt werden.

Inder sind sehr liebenswerte und neugierige Menschen (und dadurch anstrengend), wenn sie Oli ansprechen, wollen sie alles wissen. Frauen spricht man nur wenig an, dafür bin ich zum Fotografieren begehrter und muss gefühlt für Massen an Bildern herhalten, sogar öfters als in China. Zudem möchten manche gerne einfach fotografiert werden, nur um sich dann auf dem Display anzuschauen. Leider gibt es, v.a. in Touristengebieten Inder, die die Abzockermentalität sehr ausgeprägt leben, was das positive Bild trübt. Zudem starren Inder total gerne, v.a. wenn ihnen langweilig ist, was als Frau nicht immer einfach ist.

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Indien ist sehr religiös. An jeder Ecke begegnet einem ein kleiner Schrein oder ähnliches. Zudem ist Aberglaube weit verbreitet. So hat z.B. der Segen der Transsexuellen eine besondere Kraft, er ist mächtiger, genau wie ihr Fluch. Daher gibt man ihnen lieber Geld für den Segen. Die Kuh wurde aus praktischen Gründen zum heiligen Tier erklärt, da ihre Milch, der Dung und ihre Zugkraft wertvoll ist, wurde so ein übermäßiges Schlachten verhindert.

Im Norden gab es überall viele Drachen zu bewundern. Vor allem am Nachmittag sah man viele über den Häusern im Kampf mit denen der Nachbarn. Das Drachenfliegen und -kämpfen ist hier eine Kunst und ein Sport. Den Norden Indiens habe ich etwas rauer erlebt als den Süden. Mag vielleicht daran liegen, dass wir mehr Zeit dort verbracht haben und im Süden die Großstädte gemieden haben. Dennoch werden wir überall zuvorkommend behandelt, liegt vermutlich an der indischen Maxime „der Gast ist Gott“. Weitere Skurilitäten: spezielle Währung „xy Rupies ONLY“ (das ONLY steht sogar auf offiziellen Bahntickets) oder die Ansicht , dass Hitler „a great man“ war. Begründet darin, dass das Hakenkreuz, Swastika, ein altes Glückssymbol ist und Hitler bei vielen Indern bis heute für Ordnung, Disziplin und militärische Macht steht. Alles positive Aspekte aus indischer Sicht, die ihre Armee lieben und verehren. Da bringt das massive „No, not a great man, a bad man!!!“ nicht viel. Zudem haben Arier hier ihre eigene Geschichte und werden sehr hoch angesehen.

Grundsätzlich kann man sagen Indien ist immer anders als erwartet, mit viel Charme und lautem Getöse, anstrengend und liebenswert. Vor allem das für mich wundervolle Kopfwackeln macht sie sehr sympathisch. Dabei wird scheinbar der Kopf aus der Wirbelsäule ausgehängt und schwingt leicht hin und her. Über Indien lässt sich noch viel mehr sagen, aber am besten man fährt selbst hin und macht sich ein eigenes, buntes Bild.

I wanna dance with somebody

Eindrücke nach 7 Wochen in Nepal:

Nepal ist ein kleines, stolzes und herzliches Land. Nepalesen sind ausgesprochen freundlich, hilfsbereit und sehr neugierig. In manchen Gegenden wurde genau geschaut und untersucht, was wir so machen. Zudem tanzen sie sehr gerne. Folk dance ist beliebt und wird natürlich in den Touristengegenden vorgeführt. Jedoch wird auch sonst getanzt, zum Beispiel am Lagerfeuer am Fluss. Bis zum Schluss haben wir es geschafft die Touriaufführungen zu meiden. Dann hat es uns im Bardia Nationalpark gleich zweimal erwischt. Nicht mittanzen ging nicht, v.a. nicht für mich als einzige anwesende Frau…. Das Schöne war, dass die Leute hier sichtlich ihren Spaß hatten. Leider hat er nicht abgefärbt. Wobei Discofox am Sandstrand bei den Kids super ankam!

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Nepalesen sind eine Mischung der unterschiedlichsten Volksstämme. Dies sieht man an unterschiedlichen Bauweisen und Tragesystemen für Lasten. Die einen tragen alles auf dem Kopf, andere mit Trageriemen an der Stirn oder mit Tragestange über den Schultern. Diese Mischung der Völker ist auch ein Zeichen der Offenheit und Toleranz, die man in Nepal findet.
Sind die Häuser hier gestrichen, dann in kräftig Farben, oder es werden zweifarbige Steine verwendet. Manche Nepalesen stehen auf Säulen, die dann bunt bemalt sind. Oder es gibt mit Lehm verputzte Häuser in den ärmeren Gegenden. Man sieht zudem oft Leute ihre Wäsche an den öffentlichen Wasserstellen waschen, Frauen als auch Männer.
Die Hupen der Lkws und Busse sind melodisch, dass macht den Lärm etwas erträglicher – aber es bleiben halt megalaute Presslufthupen. Zudem sind die Fahrzeuge bemalt und die Busse „eingerichtet“. Von einfach verzierten Blechen bis hin zu buntem Gebommel, Vorhängen, Postern, laute Musik, manchmal mit Videos.

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Schräg ist, dass es fast überall Wifi gibt, sogar in den Bergen, obwohl Stromausfall alltäglich ist. In den Bergen gibt es zudem gepflasterte Wege. Krass, wer diese Arbeit macht.
Grundsätzlich sprechen wenige Frauen mit uns. Meistens Männer oder Kinder. In den Bergen haben wir immerhin zwei Führerinnen und drei Porterinnen gesehen. Apropos Porter. Es ist unglaublich, was ein Mensch alles die Berge hochtragen kann: Kühlschränke, Profi-Kaffeemaschinen, riesige Wellbleche, Zimmermannsbalken,…..
Die Landschaft ist arg beeindruckend. Nepal hat einen Höhenunterschied von über 8000 hm, von 170hm bis 8848hm. Von Steppe, Dschungel bis hin zu tief bzw. hoch beeindruckenden Bergen.
Nepalesen haben auch eine gute Küche. Diese ist zwar sehr beschränkt, da man hier eigentlich nur Dhal bat isst -Reis, Curry, Gemüse, Linsensuppe und Pickels. Man sagt, ein Nepalese fühle sich schlecht, wenn er mal einen Tag nicht dieses Essen zu sich nimmt. Es scheint zu stimmen. In Nepal begegnet uns zum ersten Mal der Brauch mit der rechten Hand zu essen (kein Besteck), da die linke zum Hintern sauber machen genutzt wird (kein Klopapier).

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Zudem ist Nepal sehr spirituell. Überall begegnen einem kleine und große Schreine, entweder buddhistisch oder hinduistisch. Die Religionszugehörigkeit wird hier sehr offen gehandhabt. Bei vielen Menschen ist es ein Mix aus Buddhismus, Hinduismus, Schamanismus und jeder Menge Aberglauben. Wir hatten das Gefühl, jeder sucht sich das aus, was ihm am besten gefällt. Viele Menschen tragen ein Tika, einen roten Punkt oder ähnliches als Zeichen für das morgendliche Gebet oder als Segen. Zudem zeigt sich die Verbundenheit zu etwas Höherem auch in der Sprache. Namaste – ich grüße den Gott in dir. Dieser Gruß begegnet einem überall im Land, oft verbunden mit aneinander gelegten Handflächen und einer leichten Verbeugung.
Nepal lohnt auf alle Fälle noch weitere Reisen, auch wenn die Busfahrten für Ute zum Teil sehr übel waren aber das aus dem Bus spucken hebt sie sich für Indien auf 😉

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Druu Chunusun mut dum Kuntrubuss

… haben wir zwar keine gesehen, dafür andere wunderliche Dinge erlebt – das Chinaresümee nach fast sieben Wochen.

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China wird oft das Land der Gegensätze genannt und uns begegnen viele davon. Die Menschen sind ausgesprochen freundlich, hilfsbereit, neugierig und verschenken vor allem im Zug gerne Essen. Desweiteren sind sie sehr darauf bedacht als erster z.B. in den Bus zu kommen und setzen hierfür alle erdenklichen Körperteile ein, auch, wenn nur vier Leute vor einem leeren Bus stehen. Irgendwie geraten sie gerne in Panik und werden megahektisch, wenn beispielsweise plötzlich eine Haltestelle auftaucht, wenn sie von wilden Spinnen bedroht werden, wenn ein Bus schaukelt (der erste hat sich schon übergeben, noch bevor wir den Busbahnhof verlassen hatten), wenn sie plötzlich bemerken, dass sie Höhenangst haben, …. Zudem ist es den meisten egal, ob in einem Zimmer schon jemand schläft. Wenn man telefonieren möchte, dann tut man es, auch nachts im Mehrbettzimmer. Schlafen können die Chinesen immer und überall, egal ob beim Arbeiten, im Bus oder auf der Straße. Beneidenswert. Lautstarkes Rotzen und Ausspucken gehört ebenfalls auf die Liste der Gewohnheiten der Chinesen. Im Zug gibt es Schilder, die das Ausspucken auf den Boden verbieten, dann nimmt man den Mülleimer. Für uns Westler alles sehr gewöhnungsbedürftig. Gewöhnungsbedürftig war auch, dass überall geraucht wird, zum Glück ist es im Zug nur im Zwischenteil erlaubt. Auch werden einem laufend Zigaretten angeboten.

Verkehrsregeln sind mal wieder grobe Hinweise, so wird, genau wie in der Mongolei, zu Hauptverkehrszeiten der Verkehr von Polizisten geregelt. Wichtigstes Gerät auf der Straße ist die Hupe. Egal ob es potentielle Verkehrsteilnehmer gibt oder nicht, wird sie eingesetzt.

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Auffallend sind die vielen E-Roller, die nachts geräusch- und lichtlos durch die Gegend huschen und einem einen gehörigen Schrecken einjagen können. Apropos Polizisten. Unsere Erfahrungen mit ihnen sind ausgesprochen positiv. Freundlich, hilfsbereit, sogar wenn sie frei haben. Zudem scheinen sie im öffentlichen Leben wesentlich besser integriert zu sein als bei uns. So sah man häufig Passanten, die Polizisten irgendetwas fragten oder Polizisten, die mit Passanten rumhingen. Zudem sind sie sehr humorvoll (siehe Bild bei Tibet: Polizist im Spiderman Auto).
Schöne Tradition ist das öffentliche Tanzen und Spielen, vor allem ältere Herrschaften frönen beiden Disziplinen ausgiebig. Da kann man direkt neidisch werden, dass unsere Kultur so etwas nicht hergibt.
Die Chinesen sind ein sehr reisefreudiges Volk und besuchen mit Vorliebe und in Massen ihr eigenes Land. Dabei stehen unglaublich viele Dinge auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes, was auch immer die bezahlt bekommen, dass China so oft bedacht wurde. Die Eintrittspreise, die für fast alles erhoben werden, sogar, wenn man auf einen Berg hochsteigt, sind meistens ganz schön teuer. Daher können sie sich auch nur die Besserverdienenden leisten. Der Umgang mit den ethnischen Minderheiten ist ganz klar. Ihre Kulturen werden in Tourismusgebieten gerne gesehen, das interessiert die Besucher ja.Trotzdem ist unmissverständlich, dass alle zum Mutterland China gehören und alle in Harmonie (zumindest ist das die offizielle politische Linie) zusammen leben. So ist es den tibetischen Tourguides beispielsweise verboten, zu genau über ihr Land und die Autonomiebewegung zu berichten. Sie können ihre Lizenz verlieren. Auch hat die Regierung wohl keinen Spaß an Touristen, die ihre Meinung kundtun. Der öffentliche Bereich des Mt. Everest Base Camp wurde für mehrere Wochen gesperrt, da ein Tourist ein T-Shirt mit „free Tibet“ trug. Die Überwachung ist überall präsent und man weiß, dass man gefilmt wird. Das Gute daran: Hier ist es zumindest offensichtlich, nicht so versteckt wie bei uns.

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Zunächst ist irritierend, dass fast das gesamte Land bewirtschaftet wird, sogar die kleinsten Flecken einigermaßen ebener Erde. Nur im Hochland selbst gibt es Ausnahmen. Wenn man allerdings die Bevölkerung von diesem riesen Land anschaut und dazu die Landschaft (große Flächen sind Bergland), ist es nachvollziehbar, dass irgendwoher das Essen kommen muss. In den ärmeren Gegenden wird das meiste mit Tieren und der „Hand am Arm“ gemacht. Maschinen sind selten zu sehen und in den Reisterrassen unmöglich einzusetzen. Wie es im reicheren Osten aussieht, wissen wir nicht, da waren wir ja nicht. Mancheiner hat vielleicht den Film „Honey“ gesehen, darin wird gezeigt, dass die Chinesen selbst mit Pinseln Bienchen spielen und die Obstbäume bestäuben. Daher schätzen wir uns glücklich, dass wir waschechte Bienen gesehen haben, sogar ziemlich weit oben, auf fast 3000m. Zudem kann man die kurz vor dem schlüpfen befindlichen Bienen in Waben auf dem Markt kaufen. Daher gibt es noch Hoffnung für die chinesichen Bienen.

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Sehr paradox war, sowohl in China als auch in Russland, der riesige Personenkult um die ehemaligen Revolutionsführer, die eigentlich angetreten waren, um absolutistische Systeme abzusetzen. Nun werden sie verehrt wie einst Kaiser und Eroberer.
China war eine wirklich besondere Erfahrung, in Vielem sehr befremdlich und gleichzeitig faszinierend, vor allem landschaftlich und kulturell… und hab ich schon das leckere Essen erwähnt?

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For hours we lay under the sky, counting shooting stars

Wegweisende Eindrücke aus einem Monat in der Mongolei:

Dieser Nachthimmel, dieser wahnsinnige Sternenhimmel, unvorstellbar!

Gers sind praktisch, leicht und schnell auf- und abzubauen und zu transportieren. Waschgelegenheiten und Toilette sind überbewertet – letzteres auch am Stadtrand – eher kurz hinter die nächste Mauer, falls kein Toilettenloch vorhanden ist. Auch kann man sein Ger, wenn man das Nomadentum aufgibt, einfach in die Stadt stellen und daneben in aller Ruhe sein Haus bauen. Das sehen die Stadtverwaltungen zwar nicht so gerne, ist den Bewohnern aber egal.
Dels (traditionelle Tracht) sind draußen super praktisch (siehe Bild unseres Pferdeguides). In die Brusttasche passt neben Tupperdosen und Biwaksack sogar ein Kind und für Frauen dient er als Sichtschutz beim pinkeln.
Fermentierte Kamelmilch kann man trinken, die anderen Sorten sind nicht so lecker. Yakjoghurt ist auch sehr lecker. Aber mit den Mengen nicht übertreiben!
Unendliche Weiten und hin und wieder ein Ger, garantieren freundliche und hilfsbereite Menschen, sofern sie nicht mit Touristen ihr Geld verdienen und somit professionell sind (wer diesen Satz von Ute versteht, darf ihn Oli erklären – Belohnung: die erste Postkarte).
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Asphaltstraßen sind überbewertet, viel kreativer ist es, wenn man sich seinen eigenen Weg sucht bzw. deutlich spürt wo man langfährt. Geht zwar nicht so schnell, macht mit den passenden Fahrzeugen aber richtig Spaß.
Die Sprache v.a. die Aussprache ist unglaublich schwer, wir sind daran gescheitert. Wir können nur ein paar Brocken und irgendwie spricht jeder die Wörter unterschiedlich aus.
Man wird hier total schnell zum Millionär, ist seine Millionen aber auch schnell wieder los.
Mongolen sind ein sehr singfreudiges Volk. Die Musik ist meistens schmalztriefend und die Texte erzählen von dem wunderschönen Land, der Weite, den Pferden, der Familie, … sehr idyllisch. Und alle Lieder werden lautstark mitgesungen, Karaoke ist der Hit!
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Wodka wird hier nicht getrunken, sondern zelebriert. In einer Zeremonie gibt der Gastgeber eine Trinkschale reihum an seine Gäste. Vor dem Trinken wird der Ringfinger eingetaucht, der Wodka in die Luft geschnippt (einmal für den Himmel, einmal für die Berge und noch für sich) und somit den Göttern gedankt. Dann wird noch ein Trinkanlass genannt und erst dann wird getrunken. So kann man sogar mal einen Wodka trinken…
Milch wird übrigens auch zu einem Ritual verwendet. Wenn jemand auf Reisen geht, wird ihm quasi Milch hinterher geworfen. Das soll dazu beitragen, dass er eine gute Reise hat und gesund wieder zurück kommt.
Die Kindererziehung scheint zu einem guten Teil Männersache zu sein. Wir haben erstaunlich oft Väter mit ihren Kids gesehen. Sie tragen die Zwerge rum und kümmern sich sehr liebevoll um ihren Nachwuchs. Das stand im krassen Gegensatz zu Russland.
Ulaanbaatar ist eine Riesenbaustelle. Die Stadt wächst rasant, es schießen Hochhäuser wie Pilze aus dem Boden. Wirtschaftlich boomt es wohl ganz ordentlich. Durch ihren Rohstoffreichtum wird die Mongolei auch für den Westen immer interessanter. Der Kontrast zwischen der Hauptstadt und dem Rest des Landes könnte kaum größer sein. Auf der einen Seite ein Nomadenvolk, sehr traditionell und einfach, auf der anderen Seite die Hauptstadt, in der fast die Hälfte der Mongolen leben. Wie die mongolische Gesellschaft mit diesem Gegensatz umgeht, wird spannend zu beobachten sein.
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Die haute cuisine wurde sicher nicht in der Mongolei erfunden, aber es gibt doch sehr leckeres Essen (solange man kein Vegetarier ist). Vor allem mongolisches Fast Food ist mit Buuz (mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen), mit Khushuur (mit Fleisch gefüllte frittierte Pfannkuchen) und mit Tsuivan (Nudeln mit Fleisch und Gewürzen) wirklich lecker. Und preislich natürlich unschlagbar günstig. Überhaupt ist das Leben, das Essen und das Übernachten im Vergleich zu Europa oder Russland sehr günstig.

Wirf die Gläser an die Wand, Russland ist ein schönes Land

Der erste Monat ist vorbei, nach 30 Tagen verlassen wir Russland. Als Fazit bleibt: Russland ist eine, oder besser mehrere Reisen wert.
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Interessante Städte, freundliche und offene Menschen – spätestens auf den zweiten Blick. Und die Landschaft, einfach nur beeindruckend. Sowohl die wahnsinnige Weite dieses Landes bleiben bei uns haften als auch die Region um den Baikalsee. Der größte See der Welt fasst 20% des weltweit vorkommenden Süßwassers und ist nur wunderschön. Man kommt sich vor, wie am Meer, nur ohne Salz. Das Wasser ist fantastisch klar und trinkbar. Den Great Baikal Trail können wir als Wandergebiet uneingeschränkt empfehlen und werden sicherlich mal als normale Wanderer hierher zurück kommen, es ist einfach nur schön hier.
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Die Russinnen werfen sich für den ganz normalen Alltag in Schale, die Männer laufen z.T. rum, wie frisch von der Couch – dies liegt am Frauenüberschuss, haben wir uns sagen lassen. Die Blumenläden haben 24h geöffnet, Mann muss also doch etwas für die Frau tun. Außerdem scheint Dill hier DAS Gewürz schlechthin zu sein – mmmh, lecker!
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Insgesamt wirken die Russen sehr gelassen und gemütlich und die, die wir kennenlernen durften, waren es auch.
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