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Ein Jahr vergeht wie ein Moment….

…. AND I THINK TO MYSELF WHAT A WONDERFUL WORLD

Nach 333 Tagen treten wir den Heimweg an. Wieder zu Hause, fühlen sich diese eher wie acht Wochen an. 333 Tage in denen wir unglaubliches in dieser wundervollen Welt mit ihren unfassbar dummen Menschen erleben durften. Mit „unfassbar dumm“ meine ich, dass wir Menschen es bisher immer noch nicht geschafft haben zu lernen, dass es friedliche Lösungen gibt. Dass der Fremde ein Freund ist, wie wir es so oft erlebt haben. Nein, wir Menschen brauchen die Anfeindung des Unbekannten, die Illusion in einer freien Welt zu Leben, den Krieg und die Schrecken, die er mit sich bringt.
Das Meiste unserer Reise ist für mich noch gar nicht fassbar. Schaue ich meine Fotos an, bin ich fasziniert von diesen Eindrücken, dann fällt mir ein, dass ich ja dort gewesen bin. Grundsätzlich kann ich sagen, oft war alles anders als erwartet. Hier der Versuch, es in Worte zu packen:

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Essen:
Eine von Olis Lieblingsbeschäftigungen, aber beim Karaoke ist selbst dies nebensächlich. Die asiatische Küche ist reich gedeckt, mal von der Mongolei abgesehen. Kulinarisch ganz oben stehen China, Vietnam und Indien. Als Vegetarier war das Essen nicht immer einfach, aber, wenn man ein bis zwei Augen zudrückt, geht es schon. Da halte ich es dann auch aus, dass das Essen mit chicken essence oder fishsauce gewürzt ist oder die Nudeln in der Suppe eben in Fleischbrühe schwimmen. Aber zum Glück ist damit jetzt wieder Schluss!
Und die Asiaten spinnen, überall kommt Zucker rein. Je weiter man nach Süden kommt, desto schlimmer. Sogar in frische Fruchtsäfte wird Zucker gekippt. Der Tee ist eigentlich Zuckerwasser, das den Teebeutel kurz gesehen hat. Im Essen ist Zucker, im Brot ist Zucker, alles ist so süß. Kein Wunder, dass die Inder im Diabetes-Ranking ganz vorne mit dabei sind.

Verhalten:
Grob gesagt, je weiter gen Süden man kommt, desto bedeckter kleiden sich die Leute. Grundsätzlich gilt für Frauen, Schultern und Knie sind zu bedecken. Gebadet wird im Sarong oder mit Klamotten. Nur in absoluten Touristengebieten kann man davon absehen. Männer sollten sich ordentlich kleiden. In manchen Regionen gelten lange Hosen als angemessen. Wobei insgesamt die Kleidungsvorschriften bei Frauen deutlich strenger sind als bei Männern.

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Körperkontakt zwischen Paaren ist nicht erwünscht, öffentliche Küsse sind tabu. Das höchste der Gefühle ist es, den Mann am Ellenbogen zu fassen, quasi als Händchen halten. Ausnahmen bilden die moderneren Metropolen. Dort sieht man hin und wieder junge Pärchen Händchen halten. Zwischen dem eigenen Geschlecht ist Körperkontakt erwünscht, vor allem die Männer kuscheln gerne aneinander, da wurde Oli auch nicht verschont. Asiaten sind eigentlich nie alleine und sie verstehen auch nicht, dass man mal seine Ruhe haben möchte. In der Gruppe fühlt man sich wohl und aufgehoben. Daher hat auch die Familie einen hohen Stellenwert, die Eltern sind bedingungslos respektiert. Die Kinder kümmern sich weitgehend liebevoll umeinader. Da nimmt dann auch mal der Dreijährige die Eineinhalbjährige an die Hand, um ohne Erwachsenenbegleitung an der Hauptstraße entlang zu laufen. Insgesamt wird Kindern sehr früh richtig viel Verantwortung für andere Kinder übertragen.
Die Länder, in denen wir waren, sind allesamt männerdominiert. Frauen wird in der Regel höflich begegnet. So steht Mann in der Metro oder im Bus auf, um einer Frau Platz zu machen.

Viel Leben findet auf dem Boden statt. Das heißt, dass beispielsweise das Essen auf dem Boden sitzend zu sich genommen wird. Oder auch, dass man in Werkstätten oder Läden keine Tische hat, sondern den Boden nutzt. In der Regel werden die Schuhe vor der Türe ausgezogen, das gilt auch in vielen Läden.

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Uns begegnet viel Toleranz, oft sichtbar darin, dass Religionen friedlich nebeneinander existieren können. Die Nepalesen sind Meister darin, die verschiedensten Einflüsse in ihre Kultur zu integrieren. Oft lässt sich in den Ländern eine Verbindung zum Spirituellen spüren und finden.
Patriotismus begegnet uns oft, der Stolz auf sein Land verbunden mit der Bereitschaft dafür zu kämpfen, irritiert und befremdet mich immer wieder. Andererseits besteht überhaupt kein Umweltbewusstsein. Müll wird achtlos überall hingeworfen wo man ist. Egal ob im Zug, auf dem Boden oder zum Fenster raus oder auf dem Boot über die Reeling. Produkte sind oft doppelt verpackt (Kekse in der Verpackung nochmal einzeln verpackt, Schokolade nochmal in extra Aluminumpapier). Da ist es noch ein langer Weg um der weltweiten Vermüllung entgegenwirken zu können. Aber wir haben es ja schließlich auch vor nicht all zu langer Zeit gelernt.

Oft fühlt es sich an, als ob wir unglaublich berühmt wären. Uns wird zugewunken, wir posieren auf tausenden von Fotos, so als ob wir beste Freunde wären. Einen Westler zu kennen oder gar mit ihm befreundet zu sein, gilt als Statussymbol. Schön, wenn es andersrum bei uns auch so wäre. Oft werden wir mit sister/brother, uncle/aunti angeredet. Zunächst gewöhnungsbedürftig. Allerdings geht es dabei in den meisten Ländern nicht um die Nähe einer Beziehung wie bei uns, sondern um die Respektsebene.

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Grundsätzlich sind die Menschen sehr gelassen, die Laoten sind hier die Könige der Ruhe und Gelassenheit. Da heißt es einfach, sich anpassen, was uns nicht sonderlich schwer fällt. Dennoch fällt es den meisten Asiaten an sich schwer sich irgendwo geordent anzustellen, die Knäuelbildung wird oft bevorzugt. In China wird das Ganze mit dem regen Einsatz der Ellenbogen unterstützt. Hin und wieder gibt es natürlich Ausnahmen. Zudem wird Musik überall sehr geschätzt. Oft gilt die Regel, Hauptsache laut. Hier bilden die Indonesier eine Ausnahme, sie machen laut Musik, aber können meistens richtig gut singen. Amüsant für mich ist zudem, dass alles, was mehr als 500 Meter weit weg ist, „too far!“ ist. Dieser Bewegungsfaulheit steht der Hang zur sportlichen Betätigung entgegen. Sei es beim Volleyball, Tanzen, work out an „Spielplätzen“, Fußball-Tennis oder Cricket. Wer keinen Sport macht, spielt (zumeist Männer) Karten, Majong, Würfel….

Das was wir unter Haus- und Nutztieren verstehen, läuft in der Regel frei durch die Gegend und der Verkehr versucht, weitgehend Rücksicht zunehmen. Die Hähne sind die mit Abstand dümmsten Tiere, die uns begegnen. Sie krähen nicht im Morgengrauen, um den Tag zu beginnen, sie krähen sobald sie ein Auge aufmachen. Da kann man Mordgelüste bekommen. Auch was bei uns als Zimmerpflanze gilt, wächst hier einfach im Wald.
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Auch sehr krass ist, dass es fast überall Wifi gibt. Es gibt zwar keinen Strom, aber Wifi auf 4.200 Metern. Extrem viele Menschen besitzen ein Handy oder Smartphone, der Trend geht zu zwei Geräten. Permanent befindet man sich online. Es ist völlig normal, sich nebenher, also auch im Gespräch, mit dem Handy zu beschäftigen. Auch hat der Kapitalismus überall Einzug gehalten. Bekannte Mode- und Fastfoodketten lassen sich überall finden und verdrängen die kleinen, angestammten Läden.

Zudem haben die Asiaten in den heißen Gegenden einen Vollschaden, was die Betreibung ihrer Klimaanlagen angeht. Man wird regelmäßig schockgefrostet, da kann man doch nur eine Erkältung bekommen. Vermutlich hilft das beim hellhäutig bleiben. Hier gilt nämlich helle Haut als schick, daher gibt es alle möglichen Produkte mit whitening effect. Daher sind die Asiaten ja auch so irritiert, dass wir braun werden wollen.

Verkehr/Verkehrsmittel:
Gefühlt wurde der Verkehr von Land zu Land verrückter. Aber nach Indien, war alles viel entspannter. Nur noch die thailändischen Tuktukfahrer konnten uns schrecken, da sie mit ihren klapprigen Kisten soo schnell unterwegs waren. Schnell heißt allerdings so an die 50 km/h. Ansonsten ist der asiatische Verkehr, vor allem in den Städten, eher gemächlich und es war für uns kein Problem, uns auch auf dem Roller in diesem zurecht zu finden.
Das Motorrad/der Roller ist das Haupttransportmittel. Auf diesem wird alles befördert, vom lebenden, ausgewachsenen Schwein über Glasscheiben, Kranke mit Infusion im Arm bis hin zur sechsköpfigen Familie. Was nicht auf das Moped passt, wird im Bus transportiert. Kinder fahren, sobald sie die Füße auf den Boden bringen.

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Jedes Verkehrsmittel, das wir nutzen, hat seine Besonderheit, vor allem im Bezug auf die Geschwindigkeit. Flugzeug = extrem schnell irgendwo ankommen. Zumindest der Körper, ob der Kopf im selben Tempo mitkommt, ist fraglich. Alle anderen Reisearten sind meiner Ansicht nach zu bevorzugen, wenn man ein Land und vor allem die Menschen dort kennen lernen will. Wie kann man das besser als in überfüllten Zügen oder Bussen? Die langsamste Art des Reisens ist natürlich zu Fuß, was je nach Landschaft auf alle Fälle nicht zu verachten ist, genau wie die Bootsvariante.

Mitreisende/Touristen:
Der Traveller an sich wirkt in der Regel wie ein Elefant im Porzellanladen. Die wenigsten beschäftigen sich mit der Kultur, dem Land in dem sie sich bewegen. Uns begegnen viele respektlose oder naive? Reisende, die mittags mit der Pulle Bier in der Hand durch die Straßen eiern (Einheimische trinken nur in privaten Räumen oder in Restaurants/Kneipen), die nicht wissen, wie man sich in den meisten asiatischen Ländern kleidet und dabei spielt das Alter oder die Bildung überhaupt keine Rolle. Man kann sich auch unmöglich anziehen, wenn man gerade ein Auslandssemester auf Bali macht und Kultur zum Schwerpunkt hat. Zu sehen gibt es viele schulterfreie Shirts, Shirts die den Blick auf BH und Bauch frei geben oder oben ohne am Strand in Indien („warum werde ich nur so begafft???“). Zudem sehen Hotpants einfach an den wenigsten Frauen gut aus. Aber auch die männlichen Reisenden haben nicht den besten Kleidungsstil. Zerrissene, dreckige Klamotten kommen einfach nicht gut an.

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Besonders ätzend ist die Gattung „ich war schon überall, weiß wie alles läuft und hab an allem was rumzumeckern“ oder „da ist es genau so und nicht anders – nee, kann ich mir nicht vorstellen, dass es euch dort gefallen hat“ oder „Ja, das hab ich auch schon abgehakt.“ (V.a. Kurzzeitreisende in Südostasien). Warum reisen diese Menschen??? Um viel auf Facebook zu posten?
Eine besondere Erwähnung haben sich die Franzosen verdient. Egal wo, in der Regel wird man mit Bonjour gegrüßt und als erstes gefragt: „Parlez-vous francais?“. Sagt man dann auf Englisch „ja, ein wenig“, sprechen sie zum Teil für Franzosen ein richtig gutes englisch.

Statistik:
333 Tage unterwegs
148 unterschiedliche Schlafplätze
24 Schiffe
2 Boote mit eigener Muskelkraft betrieben, ingesamt ca. 200km
55 Busse
17 Minibusse/Auto
30 Züge
8 Fahrräder, davon 2 Ebikes
2 Pferde
2 Kamele
2 Dromedare
2 Elefanten
13 Roller
leider wurden es dann doch 10 Flugzeuge
Zu Fuß in den Bergen ca. 100 km und unzählige in den Städten
Ungezählte Tuktuks, Taxis, Metros (Großstädte funkionieren alle gleich), Rikshas, Ojeks und andere Fortbewegungsmittel

Leider hat sich die Datei gelöscht, in der Oli unsere Reisekilometer aufgeschrieben hat. Daher als Schätzung ca. 74 397 km
An die 30 000 Euro Ausgaben
Gefühlt hunderte Unesco Weltkulturerbestätten
Am Ende drei volle Reisetaschen und zwei volle Rucksäcke (Souvenirs sind super!)

Dreimal Magen/Darm
Dreimal Darm
Zweimal Grippe
Einmal Mittelohrentzündung
Möglicherweise ein bis zweimal Amöben
Dreimal Gehörgangsentzündung
Einmal eingedellte Trommelfelle
Einmal Aduktoren
Fünfmal Erkältung
Dreimal Karaoke
Viermal Besuch
21 Massagen
34796 Aufrufe unseres Blogs von 5116 Besuchern aus 25 Ländern

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Soziales:
Die Sozialsysteme in den besuchten Länder sind sehr unterschiedlich. Generell leben wir im Versorgungsparadis. Angefangen vom Kindergeld über Hartz IV bis hin zu 30 Tage Urlaub plus 14 Feiertage, die fünf Tage Woche nicht zu vergessen. Die meisten Asiaten arbeiten sechs oder sieben Tage und haben neben den Feiertagen (oft nicht mehr als 10), zehn Tage Urlaub. Wer ein Kind bekommt, bekommt keine Leistungen, wer krank ist, muss selbst zahlen, wer dies nicht kann wird nicht behandelt. Wer behindert ist und keine gut verdienende Familie hat, die sich einen Rollstuhl leisten kann, kriecht, zumindest in Indien, auf dem Boden. Armut begegnet uns in allen Ländern. In Gebieten, in denen es Touristen gibt, besonders heftig. In Nepal gibt es eine groß angelgte Kampane, die verkündet, dass es egoistisch ist, Kindern auf der Straße Geld oder Essen zu geben. Dies hält die Kinder nur auf der Straße, sie gehen nicht in die Schule, Hilfsorganisationen kommen nicht an sie ran, sie bleiben im Dreck und der Kriminalität der Straße, auch wenn sie erwachsen werden. Apropos Nepal: dem Land geht es nach den immernoch andauernden Erdbeben und der nun eingesetzten Regenzeit extrem schlecht. Wer noch nicht gespendet hat, kann dies bei www.waisenkind.de immer noch tun.
Im krassen Gegensatz zu der Armut die uns in Städten und auf dem Land begegenen stehen die Deutschen. Wir werfen 313 kg Lebensmittel in der Sekunde weg.

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Überall ist uns eine unglaubliche Offenheit und Freundlichkeit begegnet. Egal ob in Sibirien, in Großstädten oder irgendwo auf dem Land, wo wir planlos durch Felder geeiert sind. Da habe ich mir immer gerne vorgestellt, wie es wohl wäre, wenn ein paar Chinesen oder Inder uff dr Alb durch em Bäuerle seim Acker glaufe wäred odr ind Fabrik nei gschneid wäred. Ob ihnen dort auch freundlich der Weg gezeigt worden wäre oder sie eine Fabrikführung bekommen hätten, wage ich zu bezweifeln.

Alles in allem kann ich sagen: Reisen lohnt sich, zumindest, wenn man offen ist für andere Kulturen und sich Zeit nimmt, diese kennenzulernen. Deutlich wurde dies vor allem durch unsere Kurztrips durch Kambodscha, Thailand und Malaysia. Über diese Länder kann ich nichts sagen, da wir viel zu kurz und nur an Touristenorten waren. Meist finden wir Touristen eh alles hübsch und faszinierend, was die Menschen oft als harten Alltag und Kampf ums Überleben kennen.

„Es ist ganz nett umherzureisen, zu beobachten, folklorische und kuriose Dinge zu sehen und neue Erfahrungen zu sammeln. Aber vielleicht wäre es auch ganz interessant zurückzudenken. Wenn man sich erinnern will, darf man eines nicht vergessen: Man muss irgendeinen Ort aufsuchen, an dem man sich erinnern kann. Es kommt darauf an, die Reise irgendwann zu beenden.
Warum geht man fort? Damit man zurückkehren kann, um den Ort, den man verlassen hat, mit neuen Augen und zusätzlichen Farben zu sehen. Und auch die Menschen dort sehen einen anders. Dorthin zurückzukehren, wo man begonnen hat, ist nicht das Gleiche, wie niemals zu gehen.“(Terry Pratchett)

Wir Danken Dir, dass du uns nun ein Jahr, zumindest in Gedanken begleitet hast und freuen uns Dich bald wieder zu sehen (sofern wir uns schon kennen;)) Was ab jetzt in unserem Leben passiert gibt es wieder nur direkt von uns.
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Ein Gedanke zu „Ein Jahr vergeht wie ein Moment….“

  1. …sehr passende worte gefunden…und ich verstehe total, was du beschrieben hast. es sind oft die kleinen dinge im leben, die man so leicht uebersieht – ob man reist oder daheim ist. und immer, wenn man wieder nach hause kommt, sieht die welt anders aus; nicht nur die aeussere, sondern die innere besonders.
    Ein schoener beitrag, der alles vereint. danke fuer all deine und eure muehen, uns alle ‚auf dem laufenden‘ zu halten. man lebt anders mit.
    Und jetzt wieder: ein herzliches Willkommen zu hause – ein platz, den man nie vergisst.
    buenas noches
    Gaby

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