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Du, Du allein kannst mich verstehen

Der Titel hat diesmal nichts mit meinen Eindrücken von Indonesien zu tun, da wären mal wieder Textzeilen wie island in the sun, hey (there) Mister Mister oder sing, sing, sing passender gewesen. Aber die Indonesier lieben Karaoke, nicht nur im KTV, sondern auch auf Booten mit fetten Boxen (leider direkt neben meinem Kopf). Auch wir werden in diverse Karaokeschuppen gezerrt, sehr zur Freude Olis. Und wir müssen deutsch singen. Und was gibt es da zur Auswahl? An deutschem Liedgut lässt sich wenig finden, letztendlich gibt es ein deutsches Lied, den Kassenschlager schlechthin: „Du“ von Peter Maffay:)

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Der Inselstaat ist viel größer als wir es uns vorgestellt haben. Daher haben wir auch die Entfernungen hier unterschätzt. Mit 240 Millionen Einwohnern ist Indonesien die viertgrößte Population der Welt und die braucht auch Platz. Indonesien hat hunderte von Inseln und mindestens genau so viele unterschiedliche Stämme. Daher ist jede Insel anders. Wir lernen nur ganz kleine Teile kennen. Um wirklich einen Einblick von Indonesien zu bekommen, muss man vermutlich ein Jahr lang nur hier herumreisen, machen wir das nächste Mal. Was, glaube ich, aber für alle Indonesier gilt ist, ihre herzliche Freundlichkeit, die Freude am Lachen, irgendwie eine kindliche Unschuld, der Spaß an Musik, v.a. am Singen, egal wo, ihre Neugier und ihre Gastfreundschaft und die damit verbundene Neigung, einen mit Geschenken zu überhäufen. Letzeres beschämt uns fast. Wir bekommen hier so viel Herzlichkeit, Zeit und Aufmerksamkeit und dann werden wir noch mit kostbaren Geschenken überhäuft. Sich dagegen zu wehren ist zwecklos. Die spinnen einfach, die Indonesier und dann entschuldigen sie sich, dass sie uns nicht mehr geben können, als ein Hotelzimmer zu bezahlen oder Silberringe. Mittlerweile sind unsere Rucksäcke jeweils fünf Kilo schwerer geworden…..

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Auf Flores sind wir hauptsächlich typische Urlaubstouristen. Da wir einen Tauchkurs machen und Oli kränkelt, sind wir nur in Labuan Bajo und sehen ganz wenig von der Insel. Hier haben wir den Eindruck, dass hinter jedem Unternehmen ein Westler steht (in Wakatobi ist es etwas anders). Die kurzen Ausflüge ins Inselinnere sind sehr schön. Man hat das Gefühl, dass die Leute wenig Touristen auf Rollern sehen, sogar so nahe an der Touristenhochburg. Uns wird zugewunken und die Kinder wollen sich mit uns abklatschen. Das fitzt ganz schön, so beim Fahren. Flores ist weitgehend katholisch, daher wird am Sonntag wohl viel Arak getrunken. Sulawesi ist muslimischer, daher gibt es hier sehr wenig Alkohol. Auf Sulawesi sind wir eigentlich nur in Kendari und auf ein paar angrenzenden Inseln, daher auch ein eher bescheidener Einblick, dafür wunderschön.

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Da wir in Indonesien die eine oder andere Ärztin besuchen, lernen wir das Konzept „Arztpraxis in Apotheke“ kennen. Sehr praktisch. Zudem arbeiten die Ärzte hier häufig in der Klinik und betreuen am Nachmittag und Abend unterschiedliche Praxen, in denen sie dann jeweils für ein bis zwei Stunden sind. Oder in Kendari erheblich länger, z.T. bis mitten in die Nacht. Und in so mancher Arztpraxis und Apotheke gibt es ein Photoshooting – we are famous again.

In Indonesien erhalten wir auch einen kleinen Einblick in die fantastische Unterwasserwelt. Unglaublich was es da alles an abgefahrenen Formen und Farben gibt. Und die Tiere sind im Gegensatz zu den meisten Landtieren nicht sonderlich scheu, „rennen“ also nicht gleich weg. Das raubt einem förmlich den Atem und daher haben unsere Dive Masters immer mehr Luft übrig als wir. Wir müssen mehr üben! Allerdings zeigt sich auch, dass wir Weicheier sind und unsere Ohren Schwierigkeiten mit dem Druck da unten haben. Dafür bereiten wir uns schon darauf vor alt und schwerhörig zu werden, sehr amüsant – Hä? Wie bitte? Was?

Die Kleidung, bzw. was man anzieht hat hier wesentlich mehr Bedeutung als bei uns. So sieht man beispielsweise in Kendari fast niemanden mit kurzen Hosen, auf den kleinen Inseln hingegen schon. Auch sind die Schultern der Frauen grundsätzlich bedeckt. Baden gehen alle mit ihren kompletten Klamotten. Badebekleidung gibt es eigentlich nicht und nur die Kinder dürfen Haut zeigen, und natürlich die Männer ihren Oberkörper. A propos. Indonesien ist wieder ein „Plauze-raus“ Land. D.h. T-Shirt einmal nach oben klappen und Plauze der Sonne zeigen.

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Im Vorfeld habe ich gelesen, dass die Indonesier im Schnitt neun Stunden am Tag in einen Bildschirm starren, da habe ich mich natürlich gefragt, wie das denn sein kann. Jetzt weiß ich es. Die Lösung liegt bei den Handys und den vielen TVs überall (Kantor Imigrasi, Pete Pete, Cafés, Restaurants,….) Die meisten Indonesier haben nicht nur ein Mobiltelefon, sondern zwei bis drei. Dafür haben andere in ärmeren Dörfern keines, die haben ja auch kein Strom, da braucht man sowas nicht…
Eine krasse Besonderheit für uns war zu dem, dass wir in Indonesien für unsere Verhältnisse unglaublich viel geflogen sind. Zeitmangel und Krankheit haben diesen Umstand leider begünstigt.

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Ich bin sehr dankbar für die wundervollen Menschen, die wir hier besucht haben und mal wieder völlig überwältigt von dieser Mentalität, nicht nur der des Schenkens. Wenn man sich beispielsweise zur Begrüßung die Hand gibt führt man anschließend die eigene Hand kurz ans Herz, um zu verdeutlichen, dass man von Herzen gegrüßt wird. Kinder behalten die Hand des Erwachsenen in ihrer und führen diese mit einer leichten Verbeugung an ihre Stirn.
Mal schauen, wann es das nächste Wiedersehen gibt.
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Ein Gedanke zu „Du, Du allein kannst mich verstehen“

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