…und einen Rostov-Gin stellt man vor jeden hin…

… an Nischi Novgorod fahren wir mit etwas Abstand vorbei, aber durch Rostov fahren wir durch! (für alle Nicht-KjGler ergibt das wahrscheinlich keinen Sinn — > Bildungslücke)

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Rostov Hauptbahnhof

Transsib fahren ist ein bisschen so wie Liegewagen fahren mit der DB in den Achtzigern. Die Sitzbänke in schmucker roter Lederimitatoptik, hübsch geflochtene Gepäcknetze und alles ein bisschen alt, natürlich auch die Toilette. Haben ein Viererabteil gebucht, sind aber zumindest drei von vier Nächten in trauter Zweisamkeit, das ist sehr entspannt. Da schmeckts dann auch gleich richtig gut.

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Entschleunigung ist wieder angesagt, denn in den nächsten 86 Stunden ist unsere Hauptbeschäftigung: aus dem Fenster schauen. Wir durchqueren schier unendliche Weiten, Birken- und Kiefernwälder, blühende Felder in allen Farben, Moorlandschaften, die das Gelände im Sommer unüberquerbar machen. Hin und wieder sehen wir kleinere Siedlungen, die immer einfacher werden, je weiter wir östlich fahren. Und dann gibt es zum Glück immer wieder Bahnhofsstopps von 20-45 Minuten,  um sich die Beine zu vertreten und die Fliegenden Händlerinnen zu bewundern, die ihre Waren aus dem Garten und aus dem Backofen, der Fritteuse oder dem Räucherofen anbieten (Pirogen mit Kartoffeln, Kraut, Hackfleisch, …, Fisch, Obst und Gemüse)
Da die Transsib quasi die Lebensader nach Osten ist, sind an der Strecke auch richtig große Städte wie Ekatarinenburg, Omsk, Perm, Novosibirsk, … zu sehen. Wir nehmen uns aber nicht die Zeit, diese Städte genauer anzuschauen, wir müssen weiter, immer weiter durch Sibirien.

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Und wen findet man außer dem Schwaben überall auf der Welt? Den rheinischen Kegelclub. Sechs trinkfeste Jungs zwischen 60 und 70, die kaum zu überhören und auf keinen Fall zu übersehen sind. Unter anderen mit dabei: Manni, der Kumpel vom Busfahrer des VfB, deshalb auch im Schwabendress unterwegs – herrlich schräg.
An die weiterrückende Zeitverschiebung können wir uns auch gemächlich gewöhnen, in Irkutsk haben wir 7 Stunden Vorsprung vor Deutschland,  in Moskau waren wir nur bei 2. Nur die Uhrzeit der Bahn geht in ganz Russland nach Moscowtime.
Am letzten Abend gesellt sich Roman, businessman aus Tajset, zu uns,  der geschäftlich nach Irkutsk muss. Sprachlich ist es eher holprig, aber da wir bereits das Kartenspiel Durak kennen, können wir uns von ihm abzocken lassen. Schöne Völkerverständigung! Die Russen sind generell sehr entspannt, wenn es eine Grünfläche gibt baden sie sich gerne in der Sonne und im Zug ziehen sie praktisch sofort ihre  Straßenkleidung aus und werfen sich in Hammelfleisch (Grüße an Mischa, blöde Worterkennung) ich meinte Gammellook.
Am nächsten Morgen ist der lange Transsib-Trip dann auch vorbei, nach 5185 Kilometern erreichen wir Irkutsk, puh!
Also es lässt sich festhalten: Reisen mit der russischen Bahn ist absolut empfehlenswert, v.a. in den Schlafabteilen.

Follow the moskva down to gorki park…

Was für eine beeindruckende Megastadt! Moskau fasziniert aufgrund seiner Größe und gleichsam aufgrund seiner Gelassenheit. Die Menschen wirken so gechillt und im Gleichgewicht,  das fällt wirklich auf. Liegt vielleicht auch daran, dass wir in zwei Parks in der Stadt waren, im Fili- und natürlich im Gorkipark. Naja, manche unserer Reisegruppe waren in einem weiteren Park, dem am Sperlingsberg, andere setzten sich lieber mit russischer Keramik auseinander. Im Gorki Park wandelten wir auf den Spuren von Klaus Meine und suchten den wind of change.
Allerdings haben wir – neben der erwähnten gechillten Leute – kaum einen Unterschied zu anderen Großstädten wahrgenommen. Irgendwie hat es die Wirtschaft geschafft, alle Städte gleichzuschalten, beängstigend. Bin mal gespannt, wie die anderen Großstädte auf unserer Tour sind. Sehr beeindruckend sind auch die absolut krassen Highheels, die so an einem vorbei laufen und die vielen Limousinen. Auch ist es amüsant, dass man ab 22 Uhr in den Supermärkten keinen härteren Alkohol bekommt und ab 23 Uhr kein Bier mehr, in Parks gilt generelles Alkoholverbot.

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Der Sportflugplatz

Vom Väterchen Russland spürt man nicht mehr allzu viel, außer eventuell eine erhöhte Polizei- und Militärpräsenz und viele Ordnungshüter,  die an Sehenswürdigkeiten mit Pfeifen darauf hinweisen, wenn man an der falschen Stelle sitzt oder über die Wiese läuft.

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Blick über den roten Platz

In unserem Hostel ist es deutlich bequemer und luftiger als in St. Petersburg, falls ihr mal in Moskau gut und günstig unterkommen wollt, solltet ihr nach dem Hostel Flat No. 7 Ausschau halten.
Der liebe Herr Putin ist gerade auch dabei, sich ein feines Denkmal zu setzen mit seinem Bauprojekt Moscow-Citi. Wie es sich für einen Zaren gehört, verewigt man sich mit der zeitgemäßen Architektur.
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Jetzt geht es nach unserer Städtetour weiter ins „wilde“ Russland. Die kommenden vier Tage verbringen wir in der Transsib und dann noch ein paar Tage in Irkutsk und evtl am Baikalsee, bevor unser workcamp startet. Na dann mal alles einsteigen, die Türen schließen, bitte Vorsicht an der Bahnsteigkante. Als echtes Bahnerkind freue ich mich schon sooo auf die Fahrt.

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Leningrad

Nach 3 entspannenden Tagen auf der Fähre,  die zur intensiven Auseinandersetzung (Schrift lernen und die Kultur) mit dem ersten Reiseland dienten, kamen wir pünktlich im Petersburger Hafen an. Nach sehr relaxten Grenzkontrollen mit Facecontrol (wir waren hübsch genug für die Einreise), trafen wir auf unseren ersten „echten“ Russen,  unseren Shuttlebusfahrer. Und was zeigt er uns durch sein strahlendes Lächeln? Dass er sich eine komplette Zahnfront aus Gold leisten kann. So ein Poser! Ich bitte um Weitergabe des neuen In-Looks an den Herrn Dr. Dr.
Durch die fachkundige Hilfe einer mitreisenden Russin finden wir direkt den Weg ins Zentrum und warten vor unserem Hostel auf den Rest unserer kleinen Städtereisegruppe, Hanna und Ruth. Komplettiert durch die beiden erkunden wir unser supergünstiges Hostel, Old Flat, das sehr zentral direkt am Moskauer Bahnhof liegt.
Dafür,  dass es pro Person und Nacht nur etwa 550 Rubel (ca. 12 €) kostet, ist es in Ordnung. Sauber, freundlich, aber sehr komprimiert! Na ja, wir sind ja nur zum übernachten dort. Wobei Ute beschließt, sich einen Fenster-battle mit einer Mitschläferin zu liefern. Ute hatte Angst vor dem Ersticken, die Mitschläferin wollte den Duft von 7 Personen in unserem Zimmerchen genießen. Da die beiden sich sprachlich nicht verständigen konnten, war das Gefecht eher tatenorientiert. Endstand: 1:0 für Deutschland nach Verlängerung (dritte Nacht). Wir sind Weltmeister!
Doch nun zu St. Petersburg: es lohnt sich sehr, hier mal ein paar Tage zu verbringen. Die Stadt ist sehr beeindruckend,  wunderschön an der Neva und am Meer gelegen und voll von wahnsinnig repräsentativen Gebäuden, die in der Regel von Peter I. in Auftrag gegeben wurden. Es ist ja schließlich seine Stadt,  erst vor gut 300 Jahren gegründet.
Wir haben natürlich das volle Touriprogramm durchgezogen und bei herrlichem Wetter die Stadt erkundet. Da das aber alles in irgendwelchen Reiseführern steht, werde ich mich dazu nicht weiter auslassen. Insgesamt wirkt die Stadt wie Venedig, nur größer und imposanter. Zudem laufen jeden Tag total viele Brautpaare auf  Fotoshootingtour rum. Es ist extrem sauber,  sogar die ewig langen Rolltreppen werden jeden Tag geputzt. Und die Russen sind total hilfsbereit,  man muss nur planlos rumstehen, schon helfen sie einem, echt super.
Ein paar Schnappschüsse seht ihr hier, die „richtigen“ Bilder folgen, wenn wir an einem ordentlichen PC sind.

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Ute bei ihrer Lieblingsbeschäftigung
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Bildung im Peterhof
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Die kleine Sommerresidenz - wie Versailles, nur in groß
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Erlöserkirche

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Nachts um 1 Uhr in St. Petersburg - wann wirds denn dunkel?
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Ikonostase

Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt – sieh sie dir an.